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Hochschule unterstützt bei der Bewältigung von Rassismuserfahrungen

Professorinnen* der DHBW Villingen-Schwenningen stehen Studierenden, die Rassismus erfahren haben, beratend zur Seite und vermitteln bei Bedarf an Expert*innen der intersektionalen Antidiskriminierungsberatung adis e.V.

„Im gängigen Alltagsverständnis assoziieren viele Menschen Rassismus mit physischer Gewalt und verorten diese eher als rechte Randerscheinung. Darüber gerät aus dem Blick, dass Erfahrungen mit Rassismus oftmals subtiler erfolgen, etwa in Bezug auf Aussehen, Sprache, Namen oder religiöse Zugehörigkeit. Diese Merkmale können zur Folge haben, dass Menschen als nicht-deutsch, mit Migrationsgeschichte, oder als anders kategorisiert werden, womit ein bestimmtes So-Sein assoziiert wird“, so Professorin* Karin E. Sauer. Dies zeige sich in Blicken oder vorurteilsbasierten Bemerkungen. Solche Erlebnisse würden seitens der Mehrheitsgesellschaft meist nicht als Rassismus erkannt, teilweise banalisiert oder mit Hinweisen auf migrationsbedingte Defizite (Zuschreibung fehlender Sprachkompetenzen, fehlender Emanzipation) sogar gerechtfertigt werden.

„Doch es sind nicht nur Blicke oder Bemerkungen: betrachtet man Rassismus als ein zentrales gesellschaftliches Machtverhältnis, schränkt er die Teilhabechancen von Menschen stark ein“, so die Professorin für Soziale Arbeit. Dies zeige sich deutlich in Bezug auf Bildung, Arbeit, Einkommen und Wohnen. Rassistische Diskriminierung im Bildungssystem (Schule, Ausbildung) ist empirisch besonders umfassend unter dem Stichwort ‚institutionelle Diskriminierung‘ untersucht.

Im Kontext von Hochschule liegen bislang jedoch wenig systematisch erfasste Daten über rassistische Diskriminierungserfahrungen vor. Annika Flächer, die über das IPF-Programm an der DHBW promoviert und von Professorin Dr. Barbara Schramkowski fachlich begleitet wird, hat sich in ihrer Masterthesis mit diesem Thema befasst. Sie führt den Umstand, dass es wenig empirische Studien gibt, die Rassismen an Hochschulen untersuchen, drauf zurück, dass Hochschulen in der öffentlichen Wahrnehmung als Raum der Wissensvermittlung sowie zuweilen als interkulturelle Begegnungsstätten wahrgenommen würden und das stehe der allgemeinen Auffassung nach im Gegensatz zu Diskriminierung. Zweifelsohne kann jedoch auch in Hochschulen auf unterschiedlichen Ebenen rassistische Diskriminierung vorliegen, sei es im direkten Austausch mit Kommiliton*innen oder über vermittelte Inhalte in Lehrveranstaltungen.

Bei den Anlaufstellen für Studierende, wie z.B. Vertrauensprofessor*innen oder psychotherapeutischen Berater*innen, zeigt sich immer wieder, dass sich Black and People of Color (BPoC)-Studierende mit alltagsrassistisch bedingten Konfliktsituationen auseinandersetzen müssen. Die Versuche der Betroffenen, diese Situationen zu klären, werden oftmals ignoriert, als nicht der Rede wert bzw. nicht so gemeint abgetan oder auf zu große Empfindlichkeit zurückgeführt. Doch auch in den Beratungen selbst stellt sich heraus, dass nicht betroffene Fachkräfte nur bedingt als Allies gegen Diskriminierung für die Rechte der betroffenen Studierenden einstehen können.

Professorin Barbara Schramkowski und Professorin* Karin E. Sauer stehen als Vertreterinnen* des Netzwerks Rassismuskritische Migrationspädagogik Baden-Württemberg für Studierende als Ansprechpartnerinnen* hier an der Hochschule zur Verfügung. Über sie kann bei Bedarf eine Vermittlung zu BPoC-Berater*innen der intersektionalen Antidiskriminierungsberatung adis e.V. erfolgen.

"Johannes Stumpf"

Johannes Stumpf