Etwas mehr als vier Jahrzehnte hat Dr. med. Reiner Zitzmann an der DHBW Villingen-Schwenningen gelehrt. Der Honorarprofessor begann 1985 – damals noch an der Berufsakademie Villingen-Schwenningen – Studierende zu unterrichten. Nun hat er sich offiziell in den Ruhestand verabschiedet – allerdings nicht, ohne zuvor bei einer Abschiedsvorlesung „Auf Wiedersehen“ zu sagen. Rund 90 Zuhörer*innen waren gekommen, darunter nicht nur Lehrende, Kollegen und Mitarbeitende der Hochschule, sondern auch aktive und ehemalige Studierende.
Zitzmann dankte vor allem den Studierenden sowie den Dozierenden und Mitarbeitenden: „Im Laufe der Zeit hat sich vieles verändert – etwa die Größe der Hochschule. Zu Beginn gab es 60 Studierende, und ich unterrichtete vormittags drei Kurse.“ Auch die Unterrichtsorte hätten sich gewandelt: Anfangs noch in der Frühlingshalde und in der Schramberger Straße, sei die Fakultät Sozialwesen heute im C-Gebäude des Campus an der Friedrich-Ebert-Straße untergebracht.
„Die Fachlichkeit ist in den vergangenen Jahren gestiegen“, betont der langjährige Professor. Die Corona-Phase habe zudem gezeigt, wie wichtig Präsenzformate seien: „Ich plädiere dafür. Es ist meine Überzeugung, dass die Soziale Arbeit analog sein muss.“
Die Lehre hatte große Bedeutung
Reiner Zitzmann war viele Jahre in der Fachstelle Sucht des Schwarzwald-Baar-Kreises tätig. An der Hochschule unterrichtete der früher suchtmedizinisch Tätige in den Bereichen Gesundheitswissenschaften, Suchterkrankungen und Psychosomatik: „Die Lehre hatte für mich eine große Bedeutung. Der häufige Wechsel zwischen meiner praktischen beruflichen Tätigkeit und der theoretischen Lehre war immer sehr befruchtend.“ Nach seiner Berentung empfand er seine Lehrtätigkeit als eine „Luxus-Situation“: „Der Kontakt mit jungen Menschen und der intensive fachliche und menschliche Austausch sind eine Bereicherung.“
Der Arzt lobte zudem die Freiheit, an der Hochschule zahlreiche Projekte umsetzen zu können. So habe man ein Spielfilmseminar rund um psychische Erkrankungen veranstaltet, einen Menschenrechts-Arbeitskreis initiiert – aus dem eine gemeinsame Buchveröffentlichung entstanden sei – sowie eine Veranstaltung mit Menschenrechtlern aus Kolumbien organisiert: „Ich bedanke mich für die Zeit.“
Dank für jahrzehntelangen Einsatz
Lars Meierling, Rektor der DHBW Villingen-Schwenningen, würdigte das langjährige Engagement: „Dr. Zitzmann steht beispielhaft für Lehrbeauftragte und Honorarprofessoren, die ihre umfangreiche Praxiserfahrung in die Lehre einbringen und damit die duale Ausbildung nachhaltig stärken.“
Auch Steffen Arnold, Prorektor und Dekan der Fakultät Sozialwesen, dankte für „40 Jahre tatkräftiges Engagement und Wirken“. Reiner Zitzmann sei es immer gelungen, Studierende mit seiner besonderen Expertise zu begeistern und nachhaltig zu prägen. Zudem sei er über die Lehre hinaus in Gremien und Kommissionen in den Hochschulbetrieb eingebunden gewesen – beispielhaft nannte Arnold seine Mitarbeit im Qualitätszirkel. „Wir werden Sie nicht nur wegen Ihrer Fachlichkeit, sondern auch wegen Ihrer Menschlichkeit vermissen“, so Arnold.
Die Wirkung der Kunst im Fokus
In seiner Abschiedsvorlesung wählte Zitzmann das Thema „Zur Psychosomatik der Kunst“, das ihm besonders am Herzen liegt. Der Mediziner erläuterte psychosomatische Vorgänge im Körper und wie jeder Mensch durch Neuroplastizität einzigartig geprägt sei. Das betreffe auch die Wahrnehmung: „Damit konstruiere ich meine Realität“, so Zitzmann. Auch Kunst entstehe in der Betrachtung – und das ganz individuell.
Zitzmann beschrieb zudem die vielfältigen positiven Wirkungen von Kunst auf den Menschen – sowohl bei der Rezeption als auch beim eigenen kreativen Schaffen: „Künstlerisches Gestalten ist eine Form von Eigentherapie.“