Grundlage der Untersuchung ist eine quantitative Online-Befragung von 206 Lipödempatient*innen. Ziel der Studie war es, den psychosozialen Beratungsbedarf der Betroffenen zu erfassen und Zusammenhänge zwischen Beratungsangeboten, Lebensqualität sowie körperlichen und psychischen Beschwerden aufzuzeigen. Damit greift die Forschung ein wichtiges Thema auf, da die Versorgung von Menschen mit Lipödem in Deutschland bislang häufig vor allem medizinisch betrachtet wird, während psychosoziale Aspekte noch zu wenig Berücksichtigung finden.
Unterstützungsbedarf ist da
Die Ergebnisse zeigen einen deutlichen Unterstützungsbedarf: 94 Prozent der Befragten wünschen sich psychosoziale Beratung – unabhängig vom Stadium ihrer Erkrankung. Darüber hinaus konnte ein signifikanter Zusammenhang zwischen regelmäßiger Beratung und einer höheren Lebensqualität festgestellt werden. Insbesondere belastende Gefühle wie Scham, Einsamkeit, Wut oder ein geringes Selbstwertgefühl standen mit positiven Entwicklungen wie mehr Lebensfreude, Selbstbewusstsein und Zukunftszuversicht in Verbindung. Auch körperliche Beschwerden wie Schmerzen, Erschöpfung und Müdigkeit zeigten Zusammenhänge mit dem Wunsch nach psychosozialer Unterstützung.
Ganzheitliche Versorgung notwendig
„Unsere Ergebnisse machen deutlich, dass Lipödem nicht ausschließlich als körperliche Erkrankung verstanden werden darf. Betroffene benötigen häufig auch psychosoziale Unterstützung, um mit den Auswirkungen der Erkrankung im Alltag umgehen zu können. Eine ganzheitliche Versorgung kann wesentlich dazu beitragen, Lebensqualität, Selbstwirksamkeit und gesellschaftliche Teilhabe zu stärken“, betont Mirbek.
Die Studie unterstreicht die Bedeutung einer ganzheitlichen und interdisziplinären Versorgung von Lipödempatient*innen. Prof.in Dr.in Sandra Mirbek plädiert für die stärkere Integration psychosozialer Beratung in bestehende Behandlungsstrukturen sowie für den Ausbau spezialisierter Versorgungsangebote nach internationalen Vorbildern. Solche multidisziplinären Ansätze könnten die Lebensqualität der Betroffenen nachhaltig verbessern und gleichzeitig langfristige Belastungen für das Gesundheitssystem reduzieren.