Ruanda

Projekt Ruanda

"Duale Praxisphase mit Hochschulmodulen für Studierende der Sozialen Arbeit in Baden-Württemberg und Ruanda" ist ein Projekt im Rahmen des Baden-Württemberg-STIPENDIUMs für Studierende - BWS plus, einem Programm der Baden-Württemberg Stiftung. In dem Projekt kommen Studierende der Sozialen Arbeit der DHBW Villingen-Schwenningen und des Protestant Institute of Arts and Social Sciences (PIASS) in Ruanda in Kontakt. Dabei arbeiten sie am Transfer von Praxiserfahrungen im Bereich Konfliktbewältigung und Empowerment auf theoretische Diskurse der Sozial- und Gesellschaftspolitik von globaler Bedeutung. Dabei werden universitäre Lernsettings mit internationalem peer-to-peer Austausch in beiden Ländern genutzt. Das Personal der beteiligten Hochschulen und Praktikumsstellen gewährleistet die Betreuung und wissenschaftliche Evaluation des gemeinsamen Arbeitsprozesses.

Projektbeschreibung

Schwerpunkt des beantragten Vorhabens ist die Etablierung einer Dualen Praxisphase in Verbindung mit Hochschulmodulen für Studierende der Sozialen Arbeit an der DHBW VS und in Ruanda. Erstmals soll Studierenden der Sozialen Arbeit an der DHBW VS die Möglichkeit eines dreimonatigen Auslandspraktikums mit einem darauf abgestimmten integrierten Hochschulstudium angeboten werden. Die Module an der Partnerhochschule in Ruanda werden in einem zweiwöchigen Intensivprogramm durchgeführt. Daran schließt sich ein zehnwöchiges Praktikum als Bestandteil der Dualen Praxisphase an. Die Praxispartner (Soziale Einrichtungen) sind am Projekt beteiligt und werden von der Hochschule in Ruanda in das Programm eingebunden. Für die Studierenden der DHBW werden also Praxisstellen und Studienmodule organisiert.
Gemeinsam mit afrikanischen Studierenden lernen sie in Gitarama/Butare die Arbeit in Projekten der Konflikt- und Traumabewältigung sowie des Empowerment kennen.
Aufgrund der historischen und sozialen Hintergründe vor Ort ist hier ein einzigartiges Lernfeld gegeben, welches Eingang in das universitäre Curriculum der Partnerhochschule gefunden hat. Dies ermöglicht einen Transfer der praktischen Erfahrungen auf theoretische gesellschaftspolitische Zusammenhänge, die  gerade im Austausch mit  lokalen Studierenden besonders gewinnbringend diskutiert werden können.

Dem Aufenthalt der DHBW-Studierenden in Afrika folgt ein Studienaufenthalt von afrikanischen Studierenden in Villingen-Schwenningen. In speziell darauf angepassten Lernsettings soll auch in Deutschland der peer-to-peer Austausch im Fokus stehen, um zentrale Themen der Sozial- und Gesellschaftspolitik aus internationaler Perspektive zu erarbeiten.

Projektziele und Nachhaltigkeit

Studierende der Sozialen Arbeit an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg absolvieren im 3. Praxissemester eine Pflichtwahlstation in einer Einrichtung, die sich hinsichtlich der Zielgruppen und des gesetzlichen Handlungsauftrages von der Ausbildungseinrichtung unterscheidet. Ein erheblicher Anteil der Studierenden (ca. 25-30%) nutzt dieses Semester für ein Praktikum im Ausland. So können sie internationale und interkulturelle Aspekte und Träger der Sozialen Arbeit kennen lernen. Die Fakultät Sozialwesen hat sich zum Ziel gesetzt, dieses Praktikum gezielt um Hochschulmodule an Partnerhochschulen im Ausland zu ergänzen und so eine Kombination aus Theorie und Praxis auch während der Pflichtwahlstation zu ermöglichen (= Duale Praxisphase). Ebenso wichtig ist der Aspekt des Austauschs von Studierenden und Dozierenden im Rahmen von Hochschulkooperationen, so dass sich die Fakultät Sozialwesen am Standort Villingen-Schwenningen international ausrichten kann.

 

Projektziele und Nachhaltigkeit

  1. Erstmaliges Angebot der Kombination eines dreimonatigen Praktikums im Rahmen der „Pflichtwahlstation“ im 3. Semester für DHBW-Studierende der Fakultät Sozialwesen mit einem begleitenden, thematisch abgestimmten theoretischen Hochschulmodul im Ausland.

  2. Erstmalige Kooperation mit Afrika, die insbesondere in Ruanda einzigartige Lernbedingungen zum Thema Konfliktbewältigung / Friedenspädagogik bietet.

  3. Herstellung einer langfristigen Zusammenarbeit durch Studierendenaustausch mit hohem Anteil von peer-to-peer-Lernsettings, die durch neue digitale Kommunikationsmedien der Seminargestaltung in internationaler Zusammenarbeit aufgebaut und auch nach der Feldphase vor Ort nachhaltig fortgeführt werden können.

  4. Ermöglichung von Studien- und Praxisaufenthalten ruandischer Studierender und Lehrender in Villingen-Schwenningen.

  5. Aufbau gemeinsamer Forschungsvorhaben unter Einbezug von Qualifizierungsarbeiten teilnehmender Studierender in Bachelor- und Masterstudiengängen der DHBW. Betreuung der Projektevaluationen durch teilnehmende Dozierende.

  6. Das geplante Vorhaben der DHBW VS mit der Universität in Butare und Gitarama und den Praxisprojekten in Gitarama hat eine Katalysatorfunktion. Nach Ablauf der Förderung durch BWS plus wird eine Fortsetzung der dadurch initiierten Studierenden- und Dozierendenmobilität durch bilaterale Abkommen angestrebt. Die Studierendenmobilität im Bereich Theoriesemester soll dann für die Studierenden aus Ruanda über das „Normalprogramm“ des Baden-Württemberg-STIPENDIUMs langfristig eingegliedert und gefördert werden. Die Duale Praxisphase wird den Studierenden über den Förderzeitraum hinaus zur Verfügung stehen.

Internationalisierungsstrategie

Die Internationalisierungsstrategie der DHBW VS sieht Maßnahmen zur Strukturierung und Zielorientierung der Hochschulkooperationen vor. Für die Fakultät Sozialwesen wurden Ziele und Maßnahmenpakete definiert, die in den nächsten Jahren verstärkt umgesetzt werden. Darunter fallen folgende Bereiche, die in dem geplanten Projekt mit ruandischen Hochschul- und Praxispartnerschaften entwickelt werden können:

  1. Intensive internationale Zusammenarbeit durch Kooperationsprogramme, z.B. gemeinsame Module wie Konfliktmanagement und Empowerment im internationalen Diskurs in Theorie und Praxis.
  2. Regelmäßige Studierenden- und Dozierendenmobilität im Rahmen dieser Kooperationsprogramme, darunter Intensive Study Programs an den Partnerhochschulen und an der DHBW Villingen-Schwenningen in Verbindung mit einschlägigen, qualifiziert angeleiteten Praktika.
  3. Aus diesen Theorie-Praxisprogrammen hervorgehende Forschungsprojekte. Aktuell können sich ruandische Interessierte an einem Forschungsprojekt zur Sozialen Arbeit mit Geflüchteten im Schwarzwald-Baar-Kreis beteiligen, bei dem die Expertise aus der Perspektive einer ehemaligen Krisenregion besonders wertvoll erscheint.

Die Baden-Württemberg Stiftung unterstützt die Umsetzung der Internationalisierungsstrategie durch die Förderung des Projekts in Form von Projekt- und Stipendienmitteln aus BWS plus.

Innovation

Die Etablierung einer theorie- und praxisrelevanten internationalen Kooperation stellt gegenseitige Lernprozesse in den Vordergrund und ermöglicht damit eine neue Definition von Entwicklungszusammenarbeit. Die reziproken Lernerträge sind für die Beteiligten beider Länder von hoher wissenschaftlicher und politischer Relevanz. Die geplante wissenschaftliche Begleitung des gemeinsamen Vorhabens verspricht ertragreiche Erkenntnisse im Bereich der rassismuskritischen, differenzsensiblen Sozialen Arbeit. Im Zuge von Critical Whiteness Diskussionen kann das Selbstverständnis aller Beteiligten auf den verschiedenen Ebenen des praktischen und theoretischen Austausches kritisch hinterfragt und ggf. neu ausgerichtet werden. Das geplante Projekt zielt auch auf die Etablierung afrikanischer wissenschaftlicher Beiträge in der Scientific Community, welche bislang – zu Unrecht – eher als randständig wahrgenommen wurden. Der Austausch von Akteur_innen Sozialer Arbeit in Deutschland, die insbesondere mit Geflüchteten arbeiten, und Expert_innen Sozialer Arbeit in Ruanda, die zu dieser Klientel bereits Erfahrungs- und Handlungswissen haben, stellt einen innovativen Zugang zur Lösung sozial(politisch)er Problemstellungen in beiden Ländern dar.

Betreuung und Interkulturalität

Die Betreuung der DHBW VS Studierenden in Afrika wird durch die teilnehmende Hochschule und die Praxiseinrichtungen übernommen. Für die Vorbereitung der Studierenden auf einen Aufenthalt in Afrika ist ein Workshop unter der Leitung von Dieter Brandes und die Zusammenarbeit mit der lokalen «African Student Association» vorgesehen. In Kigali befindet sich ein GIZ-Zentrum, das ebenfalls in die Projektvorbereitung einbezogen werden soll. Die Studierenden aus Ruanda werden durch das International Office und die Fakultät Sozialwesen betreut. Hierzu gehören in der Vorbereitungsphase die Organisation von Visa, Unterstützung bei der Flugbuchung und Anreise, Organisation der Unterkunft und Praxiseinrichtung, Unterstützung und Information zu Stipendien und Fördermitteln. Vor Ort werden die afrikanischen Studierenden in das Betreuungskonzept für Incomings eingebunden mit Orientierungsverantstaltungen, Exkursionen, Betreuung während des Semesters. Ein besonderes Angebot zur Integration der Studierenden bietet der International Club, die Studierendeninitiative der DHBW Villingen-Schwenningen, das Tandem-Sprachprogramm sowie das «Friendship Program» der Hochschule.

Baden-Württemberg-STIPENDIUM

Über das Baden-Württemberg-STIPENDIUM: Das Baden-Württemberg-STIPENDIUM fördert den internationalen Austausch von qualifi­zier­ten Stu­dierenden und jungen Berufstätigen. Seit 2001 konnten über 20.000 junge Menschen aus Baden-Württemberg Auslandserfahrungen sammeln bzw. junge Menschen aus dem Ausland konnten einige Zeit in Baden-Württemberg verbringen. Jedes Jahr erhalten mehr als 1.000 junge Menschen ein Baden-Württem­berg-STIPENDIUM. www.bw-stipendium.de

 

Das Programm Baden-Württemberg-STIPENDIUM für Studierende – BWS plus: Mit dem Programm BWS plus unterstützt die Baden-Württemberg Stiftung innovative Kooperationen von Hochschulen mit anderen internationalen Institutionen. 2011 wurde das mit jährlich ca. 800.000 € dotierte Programm zum ersten Mal ausgeschrieben und unterstützt inzwischen mehr als 50 BWS plus-Projekte an baden-württembergischen Hochschulen. http://www.bw-stipendium.de/studierende/bws-fuer-studierende/bws-plus
Stiftungsprofil:
Die Baden-Württemberg Stiftung setzt sich für ein lebendiges und lebenswertes Baden-Würt­tem­berg ein. Sie ebnet den Weg für Spitzenforschung, vielfältige Bildungsmaßnahmen und den verant­wortungsbewussten Umgang mit unseren Mitmenschen. Die Baden-Württemberg Stiftung ist eine der großen operativen Stiftungen in Deutschland. Sie ist die einzige, die ausschließlich und überparteilich in die Zukunft Baden-Württembergs investiert – und damit in die Zukunft seiner Bürgerinnen und Bürger. www.bwstiftung.de    

Projektergebnis: Video

Aktuelles

Ob Presseberichte, Strategie-Meetings, Gastbesuche oder Campus Abende: Bleiben Sie rund um die Hochschulkooperation mit Ruanda informiert.

 

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Ansprechpartnerin

Prof. Dr. Karin E. Sauer