Was passiert, wenn aus wissenschaftlichen Erkenntnissen konkrete Innovationen entstehen sollen? Und was lässt sich aus einem gescheiterten Start-up lernen? Mit diesen und weiteren Fragen beschäftigte sich Prof. Dr. Friedrich Metzger bei seinem Gastvortrag im Studiengang Wirtschaftsinformatik an der DHBW Villingen-Schwenningen.
Auf Einladung von Studiengangsleiter Prof. Dr. Stefan Stoll gab der Neurobiologe den Studierenden Einblicke in seinen persönlichen und beruflichen Weg – von der Forschung in der Pharmaindustrie über rund 15 Jahre bei Roche bis hin zur Gründung eines eigenen Biotechnologie-Unternehmens.
Bei Roche entwickelte Metzger Medikamente und leitete unter anderem die Projektgruppe, die an einem Therapieansatz gegen die Muskel-Nerven-Krankheit Spinale Muskelatrophie (SMA) arbeitete. Das daraus hervorgegangene Medikament Evrisdy® ermöglicht bei SMA eine krankheitsmodifizierende Behandlung und kann den Krankheitsverlauf insbesondere bei frühzeitiger Behandlung entscheidend beeinflussen. Für Metzger ist diese Entwicklung bis heute ein besonderer Meilenstein: „Das war eine einzigartige Erfahrung, und ich bin heute noch froh und stolz, ein Teil des erfolgreichen Teams gewesen zu sein. Darum wird man Wissenschaftler, damit man einen Dienst an der Menschheit leisten kann.“ Anschließend wechselte er als Mitgründer sowie CEO und CSO von VERSAMEB in die Start-up-Welt und begleitete ein wissenschaftliches Konzept bis zur klinischen Entwicklung.
Innovation braucht Offenheit und die richtigen Menschen
Im Mittelpunkt seines Vortrags stand jedoch nicht allein die Erfolgsgeschichte. Metzger sprach offen über Herausforderungen und das Scheitern im unternehmerischen Umfeld. Innovation bedeute nicht nur, gute Ideen zu entwickeln, sondern auch Risiken einzugehen, Entscheidungen zu treffen, glückliche Umstände zu erkennen und aus Rückschlägen zu lernen.
Den Studierenden riet Metzger zu einer guten Grundausbildung, um Entwicklungen und neue Erkenntnisse einordnen zu können. Gleichzeitig sei Offenheit entscheidend: „Jeder Zufall kann etwas bringen.“ Man müsse dem Zufall Raum geben und so aufgestellt sein, dass man relevante Chancen überhaupt erkenne.
Auch Netzwerke seien ein wichtiger Erfolgsfaktor. Gerade in großen Unternehmen müsse man schnell ein Netzwerk aufbauen und sichtbar machen, welche Fähigkeiten man mitbringt: „Du musst wissen, wohin du gehörst, und die Leute müssen wissen, was du kannst.“ Für Start-ups wiederum seien die richtigen Menschen entscheidend. „Die richtigen Leute sind das A und O“, betonte Metzger. Weil kleine Teams viele Aufgaben abdecken müssten, brauche es ein gemeinsames Mindset und Menschen, die sich gegenseitig ergänzen.
Kompetenzen für eine sich schnell verändernde Welt
„Damit schlug der Vortrag eine direkte Brücke zur Wirtschaftsinformatik. Digitale Geschäftsmodelle und technologische Innovationen entstehen an der Schnittstelle verschiedener Disziplinen und Logiken. Für Studiengangsleiter Prof. Dr. Stefan Stoll steht dabei die Vermittlung interdisziplinärer Denkmodelle im Mittelpunkt: Klassische Industrie-Logik trifft auf Software- und Daten-Logik des Silicon Valley. Theoretische Grundlagen und mentale Modelle aus Ökonomie, Physik, Biologie, Mathematik und Psychologie seien entscheidend, um Transformationsprozesse zu verstehen und digitale Strategien zu fundieren, so Stoll.“
„Gerade für unsere Studierenden ist es wertvoll, wenn sie nicht nur theoretisch über Innovation und Unternehmertum sprechen, sondern von Menschen erfahren, die diese Wege selbst gegangen sind“, betont Stoll. Hier sei es völlig egal, ob es sich um RNA oder KI handle.
Der Besuch von Prof. Dr. Friedrich Metzger zeigte eindrucksvoll, wie unterschiedlich berufliche Wege verlaufen können – und dass gerade Erfahrungen abseits geradliniger Erfolgsgeschichten wichtige Impulse für die eigene Entwicklung liefern.