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Was macht eine Stadt inklusiv? DHBW-Studierende auf Spurensuche in Marburg

Rund 50 Studierende des sechsten Semesters im Studiengang Soziale Arbeit mit Menschen mit Behinderungen haben eine dreitägige Studienexkursion nach Marburg an der Lahn unternommen. Die Exkursion stand unter der Leitung von Prof. Dr. Boris Duru, Studiengangsleiter an der Fakultät Sozialwesen der DHBW Villingen-Schwenningen.

Die Stadt und die inklusive Jugendherberge als Untersuchungsgegenstand

Marburg trägt seine Geschichte der Teilhabe im Stadtbild. Hier entstand der weiße Langstock, hier finden sich akustische Ampelanlagen, taktile Leitsysteme oder Speisekarten in Brailleschrift, auch weil ein erheblicher Teil der Studierenden mit Sehbehinderung und Blindheit in Deutschland an der Philipps-Universität studiert. Die Gruppe erkundete am Anreisetag die Stadt und ihre Unterkunft, die inklusive Jugendherberge Marburg, anhand eines strukturierten Erhebungsbogens. Barrierefreiheit blieb so kein abstrakter Rechtsbegriff, sondern wurde an Türbreiten, Wegeführungen oder Kommunikationsformen konkret überprüft. Eine Führung durch die Jugendherberge und die Altstadt am zweiten Tag vertiefte diesen Zugang und verband die historische Entwicklung der Stadt mit heutigen Fragen inklusiver Stadtgestaltung.

Selbsthilfe bei Hof Fleckenbühl

Am Nachmittag des zweiten Tages besuchte die Gruppe die Fleckenbühler, eine aus einer Selbsthilfegruppe entstandene, abstinenzbasierte Gemeinschaft, in der Menschen mit Suchterkrankung gemeinsam leben und arbeiten und die sich weitgehend finanziell selbst trägt. Das Gespräch mit einer langjährigen Bewohnerin mündete in eine intensive fachliche Auseinandersetzung über Hilfeverständnis, Professionalität und die Grenzen professioneller Deutungsmacht, ebenso wie über kritische Aspekte einer fachlich nicht begleiteten Abstinenz.

Inklusives Studium an der Philipps-Universität

Den Abschluss bildete am dritten Tag der Besuch bei Philipps-Universität Marburg. Prof. Dr. Sabine Lauber-Pohle (Institut für Erziehungswissenschaft, Arbeitsstelle Blinden- und Sehbehindertenpädagogik im Kontext Lebenslangen Lernens) empfing die Gruppe gemeinsam mit Frau Ingiulla (Service- und Beratungsstelle für ein inklusives Studium) und Tabea Seeberg (studentische Hilfskraft) im Hörsaal des Deutschen Sprachatlas. Im fachlichen Austausch mit Prof. Lauber-Pohle und dem Team der Servicestelle diskutierten die Studierenden über die strukturellen Voraussetzungen eines Studiums ohne Barrieren. Eine Führung durch die Universitätsbibliothek zeigte anschließend, wie inklusive Zugänge zu Literatur und Arbeitsplätzen konkret gestaltet werden. Beide Hochschulen wollen den fachlichen Austausch künftig fortsetzen.

Theorie und Praxis verbinden

Die partizipativ und gleichberechtigt mit den Studierenden geplante Exkursion verknüpfte fachliche Inhalte des Studienschwerpunkts mit anschaulicher und anwendungsbezogener Überprüfung vor Ort. Genau darin liegt der Kern des dualen Studiums: Studierende erproben ihr Wissen dort, wo es wirkt.

„Teilhabe lässt sich nicht im Hörsaal abschließend bewerten. Unsere Studierenden haben in Marburg vor Ort beurteilt, wie unterschiedlich Menschen und Institutionen Zugänge schaffen. Mit anderen fachlich zu diskutieren und dabei den Blick für die Praxis zu behalten, genau diese Stärke zeigen sie nach drei Jahren dualen Studiums eindrucksvoll", sagt Prof. Dr. Boris Duru.

"Hochschulkommunikation DHBW Villingen-Schwenningen"

Hochschulkommunikation DHBW Villingen-Schwenningen