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Jan Kizilhan erhält Verdienstorden

Es war ein glanzvoller Nachmittag im Ludwigsburger Schloss. Ministerpräsident Winfried Kretschmann zeichnete 22 Personen mit dem Landesverdienstorden aus. Zu den Geehrten zählte Prof. Dr. Dr. Jan Ilhan Kizilhan. An der Feierlichkeit am vergangenen Samstag nahmen Rektor Prof. Jürgen Werner und Prorektor Prof. Dr. Anton Hochenbleicher-Schwarz teil.

Professor Kizilhan wurde für seine Verdienste im Projekt "Sonderkontingent für besonders schutzwürdige Frauen und Kinder aus dem Nordirak" gewürdigt.

"Mit dem Landesverdienstorden ehren wir Bürger, die im politischen, sozialen, kirchlichen, kulturellen, sportlichen oder wissenschaftlichen Bereich Herausragendes geleistet haben. Damit sind die Geehrten echte Vorbilder für die Menschen unseres Landes. Dieser Orden ist ein sichtbares Zeichen der Anerkennung und des Dankes", sagte Winfried Kretschmann in seiner Ansprache. Über den Psychologen aus Villingen-Schwenningen fand er viele lobende Worte: "Im letzten Jahr konnte das Land Baden-Württemberg erfolgreich viele Menschen in Not retten." 3000 Kilometer entfernt, dort wo der IS täglich wütet, sei es Jan Ilhan Kizilhan mit seinem Projekt gelungen, 1100 Menschen in Sicherheit zu bringen. "Es ist die symbolische Ehrung der geschundenen Frauen und Kinder“, kommentierte Professor Jan Ilhan Kizilhan die Auszeichnung.

Mit dem Orden werde etwa ein vierjähriger Junge geehrt, der zusehen musste, wie seine Mutter geköpft wurde. Ebenso eine 16-Jährige, die während ihrer 14-monatigen IS-Haft zwölf Mal verkauft und beliebig vergewaltigt wurde. „Solche Auszeichnungen sehe ich nicht persönlich“, sagt der international gefragte Trauma-Experte. „Sie gelten dem operativen Team vor Ort und vor allem den Opfern.“ Im März erhielt er in Genf bereits den UN-Menschenrechts-Preis für Frauenrechte. „Auch das freute mich, weil dadurch mehr Menschen sensibler für das unvorstellbare Leid werden.“

Tausend traumatisierte Frauen und ihre Kinder nach Baden-Württemberg holen: Damit war Jan Ilhan Kizilhan im Januar 2015 von der Landesregierung beauftragt worden. Es war eine heikle und anfangs geheime Mission, um die Jesidinnen und einzelne Christinnen nicht zu gefährden, die das Massaker der Dschihadisten im August 2014 im Nordirak überlebt hatten. Die männlichen Dorfbewohner waren zumeist martialisch getötet worden, weil sie aus Sicht der fanatischen Gotteskrieger Ungläubige waren. Die Frauen wurden und werden als Sklavinnen missbraucht und gefoltert.

Von rund 7000 Gefangenen gelang rund 2000 Frauen die Flucht. Sie landeten in den 24 Flüchtlings-Camps rund um die nordirakische Stadt Dohuk. Nach wie vor leben in jedem, laut Kizilhan, rund 20 000 Flüchtlinge, zusammen mehr als zwei Millionen. Ein- bis zweimal im Monat flog der Traumatologe im vergangenen Jahr dorthin, um die Frauen therapeutisch zu befragen und mit Hilfe des 15-köpfigen Teams nach Baden-Württemberg zu bringen. Hier hat der türkisch-stämmige Kurde bei bereits 60 Fortbildungen jenes Personal geschult, in dessen Obhut die traumatisierten Jesidinnen in ein Leben ohne chronische Angstattacken finden sollen.

Das Sonderprogramm in Baden-Württemberg sorgt inzwischen auch für größere Aufmerksamkeit. Unlängst debattierte das Parlament in London darüber, demnächst fliegt Kizilhan nach New York, um vor der jüdischen Gesellschaft der Vereinigten Staaten zu sprechen. Er selbst habe bei seinen Interviews auch mit Kindersoldaten und gescheiterten Selbstmord-Attentätern gesprochen und festgestellt, wie schnell im Krieg jegliche Ethik verschwinde.
"Annika Honacker"

Annika Honacker