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Diskussion über psychische und physische Auswirkungen des Coronavirus

Das Institut für Transkulturelle Gesundheitsforschung (ITG) der DHBW Villingen-Schwenningen veranstaltete in Kooperation mit der MEDICLIN Klinik am Vogelsang in Donaueschingen am 1. Juli 2020 ein Online-Seminar bei dem vor allem die psychischen, aber auch physischen Auswirkungen des Coronavirus diskutiert wurden.

Rund 120 Teilnehmende erhielten Einblicke in derzeit laufende, oder kürzlich abgeschlossene, zum Teil auch internationale Studien zur Corona-Pandemie. Eine Perspektive richtete sich explizit auf Migrant*innen und Geflüchtete, die – häufig bereits traumatisiert – in der aktuellen Situation eine Re-Traumatisierung erfahren. „Die Corona-Pandemie kann zu einer erheblichen psychischen Belastung führen, die bei einigen Menschen in der Folge Depressionen, Ängste oder psychosomatische Beschwerden auslösen kann“, so Professor Dr. Dr. Jan Ilhan Kizilhan, Direktor am Institut für Transkulturelle Gesundheitsforschung (ITG) und Leiter der Abteilung Transkulturelle Psychosomatik an der MEDICLIN Klinik am Vogelsang. Zur Begrüßung sagte Carmen Weller, Chefärztin der MEDICLIN Klinik am Vogelsang und des Zentrums für psychische Gesundheit in Donaueschingen: „Wir sehen uns mit einer weltweiten Problematik konfrontiert, deren Auswirkungen auf die psychische Gesundheit des Einzelnen noch gar nicht abschätzbar ist. Umso mehr freuen wir uns, dass gemeinsam mit der Dualen Hochschule Baden-Württemberg eine web-basierte Veranstaltung geschaffen wurde, die es uns ermöglicht, sogar über die Grenzen des Bundesgebiets hinaus mit Interessierten aus verschiedenen Fachgebieten in Dialog zu treten.“

Physische Auswirkungen im Sinne von Gewalt kann die Corona-Pandemie besonders für Kinder und Jugendliche haben, wie Claudia Klett in ihrem Vortrag zur familialen Gewalt erklärt. „Es gibt unterschiedliche Formen familialer Gewalt, die sich in der gegenwärtigen Situation verstärkt ausprägen können.“ Risikofaktoren und entsprechende Maßnahmen diesen vorzubeugen diskutierte die Referentin in der anschließenden Diskussion. Über die Beratungsplattform »https://psychisch-sozial-gesund.de« berichtete Johanna Neumann. In einer Studie mit 373 Teilnehmenden untersuchte sie psychosoziale Stressoren und trägt zu einem besseren Verständnis der Auswirkungen des Coronavirus auf die Psyche bei.

Ihr Forschungsprojekt zur »Kollegialen Beratung Online« stellte Kornelia Schlegel vor. „Besonders in Krisenzeiten bietet die kollegiale Beratung eine Möglichkeit, berufsbezogene Fälle im Gruppenmodus systematisch und ergebnisorientiert zu reflektieren.“ Hiervon profitieren die Teilnehmenden sehr, wie sich auch in der Diskussion aus Wortmeldungen der Zuhörer*innen ergab.

Nach der Diskussion und den Fragen der Teilnehmenden bedankte sich Prof. Kizilhan und sagte, dass „auch im Arbeitsalltag viele Fragen offen sind: Wie gehe ich als Fachkraft mit Personen um, die sich aufgrund der Corona-Pandemie gänzlich zurückziehen, Ängste entwickeln oder in eine Depression verfallen? Wie erkennt man rechtzeitig Gefahrensituationen in Familien und welche Möglichkeiten bieten sich, Maßnahmen zu ergreifen? Wie kann der Stigmatisierung an COVID-19 erkrankten Personen vorgebeugt werden?“ Mit all diesen Fragen in Verbindung mit der Corona-Pandemie will sich das Team um Prof. Kizilhan an der DHBW und der MEDICLIN Klinik weiterhin beschäftigen. Er lud die Teilnehmenden ein über die geschaffene Plattform im Austausch zu bleiben. Chefärztin Carmen Weller bedankte sich für die gelungene Veranstaltung und Kooperation mit der DHBW und teilte mit, „dass sich die MEDICLIN Klinik weiterhin mit den psychischen Auswirkungen des COVID-19 beschäftigen" werde.

(Bild: Claudio Schwarz, Unsplash)
"Annika Honacker"

Annika Honacker