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Arbeit und Teilhabe neu denken: Dialogforum zur Zukunft von Menschen mit Behinderung

Anlässlich des 50-jährigen Bestehens der Werkstätten des St.-Josefshauses Herten kamen Werkstattbeschäftigte, Angehörige, Fachkräfte, Leitungspersonen und (ehemalige) Hochschulangehörige der DHBW Villingen-Schwenningen zu einem Dialogforum unter dem Leitmotiv „Zukunft, Arbeit und Teilhabe" zusammen. Der Studiengang Soziale Arbeit mit Menschen mit Behinderungen war durch Prof. Dr. Boris Duru vertreten.

Wie wandelt sich das Arbeitsleben für Menschen mit Behinderungen?

In den Werkstätten des St.-Josefshauses arbeiten Menschen mit Beeinträchtigungen und Behinderungen seit 1975 und gestalten dort ihren beruflichen Alltag mit. Zum Jubiläum wollte die Einrichtung ins Gespräch kommen über das, was war, vor allem aber über das, was kommt. Wie wandelt sich das Arbeitsleben für Menschen mit Behinderungen? Welche Wege der Teilhabe sind heute möglich, welche bleiben verstellt? Wie erleben das die Menschen, die täglich in der Werkstatt arbeiten?

Unter dem Titel „50 Jahre – 50 Menschen: Dialogforum zur Zukunft von Arbeit und Teilhabe" führte die Einrichtung ein Format durch, in dem unterschiedliche Perspektiven zusammenkamen: Menschen mit Behinderungen aus Werkstätten, Werkstatträte, Angehörige, Mitarbeitende verschiedener Einrichtungen sowie Vertreter:innen aus Hochschule, Verwaltung und Politik.

„Sprechen und Zuhören, ein Dialogformat für polarisierte Zeiten

Die Veranstalter griffen methodisch auf das Format „Sprechen und Zuhören“ zurück. Dieses wurde 2024 vom Verein Mehr Demokratie e. V. entwickelt, um in einer politisch polarisierten Gesellschaft Gesprächskultur und Annäherung zu ermöglichen. Es eignet sich ebenso für Themen, zu denen unterschiedliche Erfahrungen und Standpunkte bestehen, wie etwa die Zukunft der Werkstätten für Menschen mit Behinderungen.

Das Prinzip, für alle sichtbar auf einem Flipchart festgehalten: Die Teilnehmenden tauschen sich in Gruppen von vier Personen aus. Eine Person spricht vier Minuten lang, die anderen drei hören zu, ohne zu kommentieren oder zu unterbrechen. Eine Glocke zeigt den Wechsel an. Wer das Wort hat, spricht von sich und aus eigener Erfahrung. Nach mehreren Runden haben alle gesprochen und alle zugehört.

Das Format inklusiv gedacht

Die fachliche Leistung des St.-Josefshauses bestand darin, das ursprünglich für eine politisch interessierte Bürgerschaft entwickelte Format auf die Bedarfe der Teilnehmenden zuzuschneiden. Werkstattleitung Dorina Huber und ihr Team bereiteten die teilnehmenden Menschen mit Behinderungen vor, und zwar mit einer mündlichen Erläuterung im Vorfeld, einem Erklärvideo, im Foyer ausgehängten Hilfsfragen und drei Assistent:innen, die bei Unsicherheiten angesprochen werden konnten.

Für die Durchmischung der Gruppen erhielten alle Teilnehmenden eine Farbe, sodass an jedem Tisch vier unterschiedliche Farben zusammenkamen. So begegnete sich, was sich im Alltag selten begegnet: Werkstattbeschäftigte und Angehörige, Politik und Verwaltung, Forschung und Praxis.

Eine Leitfrage, viele Stimmen

Im Zentrum stand die Frage: „Wie sehen die Möglichkeiten für Menschen mit Beeinträchtigung aus, am Arbeitsleben teilzuhaben?" Werkstattbeschäftigte schilderten ihre Arbeit, ihre Wünsche und ihre Erwartungen; Fachkräfte, Angehörige und Leitungspersonen ergänzten ihre Sicht. Dabei wurde deutlich, wie unterschiedlich Arbeit erlebt wird und wie viel es bringt, den Beschäftigten selbst zuzuhören, statt über sie zu sprechen.

Begegnung auf Augenhöhe

Im Verlauf des Nachmittags stellte sich eine Atmosphäre von Offenheit und Respekt ein. Alle nahmen das Format sehr gut an. Die Werkstattbeschäftigten kamen als Expert:innen in eigener Sache zu Wort. Ihre Beiträge standen gleichberechtigt neben denen aller anderen Teilnehmenden, wie etwa der wissenschaftlichen Seite.

Fachlich knüpft das Format an einen Diskursbegriff im Sinne von Jürgen Habermas an, der auf Herrschaftsfreiheit, Gleichberechtigung und das gemeinsame Suchen nach guten Argumenten setzt. Für die Soziale Arbeit mit Menschen mit Behinderungen wurde damit ein Anspruch methodisch eingelöst, der sonst häufig nur formuliert wird: Partizipation als realer Sprechraum.

Verbundenheit mit dem Studiengang

Für den Studiengang Soziale Arbeit mit Menschen mit Behinderungen der DHBW Villingen-Schwenningen, vor Ort vertreten durch Studiengangsleiter Prof. Dr. Boris Duru, hatte der Tag eine persönliche Note: Drei Alumni der DHBW VS prägten das Dialogforum mit. Dorina Huber, heute in leitender Verantwortung für die Werkstätten des St.-Josefshauses und Konzeptverantwortliche des Dialogforums, hat an der DHBW Villingen-Schwenningen Sozialwirtschaft studiert. Dario Villari hat den Studiengang Soziale Arbeit mit Menschen mit Behinderungen abgeschlossen und Lars Weiser den Studiengang Soziale Arbeit mit dem Schwerpunkt Netzwerk- und Sozialraumarbeit. Der Tag zeigte damit auch, wie die Studiengänge der Fakultät in die Praxis hineinwirken.

Von links: Dario Villari (Absolvent DHBW VS, Soziale Arbeit mit Menschen mit Behinderung), Lars Weiser (Absolvent DHBW VS, Soziale Arbeit – Netzwerk- und Sozialraumarbeit), Dorina Huber (Absolventin DHBW VS, Sozialwirtschaft, heute Werkstattleitung), Prof. Dr. Boris Duru (Studiengangsleiter Soziale Arbeit mit Menschen mit Behinderung, DHBW VS) und Birgit Ackermann (Vorständin und Geschäftsführerin St.-Josefshaus Herten). Foto: St.-Josefshaus
"Hochschulkommunikation DHBW Villingen-Schwenningen"

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