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Online-Fachtag: Wirkungsorientierung in der Eingliederungshilfe

Wirkungsorientierung ist nicht erst seit dem Bundeteilhabegesetz eine Vokabel für die Soziale Arbeit. Sie wird im Zusammenhang mit Wirkungsforschung, Evidence-Informed Practice und wirkungsorientierter Steuerung verwendet und daher unterschiedlich konnotiert.

Mit dem BTHG will die Bundesregierung Leistungsansprüchen von Menschen mit Behinderung gerecht werden, um „ihre Selbstbestimmung und ihre volle und gleichberechtigte Teilhabe in der Gesellschaft zu fördern, Benachteiligungen zu vermeiden oder ihnen entgegenzuwirken“ (§ 1 BTHG). „Die Leistungserbringer haben ihre Leistungen zu diesem Zweck so auszurichten, dass sie helfen, die Leistungsansprüche der Leistungsberechtigten bestmöglich zu befriedigen. Dabei sind die Leistungserbringer insbesondere gegenüber den Leistungs- und Rehabilitationsträgern verpflichtet, eine ‚gute Wirkung‘ der Leistungen sicherzustellen.“ Nach § 125 SGB IX sind in schriftlichen Vereinbarungen zwischen Leistungsträger und Leistungserbringer der Eingliederungshilfe daher „Inhalt, Umfang und Qualität einschließlich der Wirksamkeit der Leistungen […]“ (§ 125 Abs. 1 Satz 1 SGB IX) zu regeln. § 128 SGB IX definiert Vorgaben zu Anlass und Inhalt etwaiger Wirtschaftlichkeits- und Qualitätsprüfung.

Mit dieser Konstruktion hat die Gesetzgeberin eine Situation geschaffen, die zu einem Mehr an fachlicher Reflexion oder aber die Personenzentrierung ad Absurdum führen kann: Die Leistungserbringer sind dieser Formulierung nach nämlich nicht den Leistungsberechtigten gegenüber verpflichtet, eine „gute Wirkung“ der Leistung sicherzustellen, sondern lediglich denjenigen, die die Leistungen finanzieren und oft eher in Distanz stehen zu den Menschen, die die Leistungen für ein gelingendes Leben benötigen. Gleichzeitig kann eine Vereinbarung mit diesem Inhalt dazu führen, dass leistungserbringende Träger die Personenzentrierung noch ernster nehmen und nun alles dransetzen, um in Kooperation mit den Adressat*innen, die mögliche Wirkung der erbrachten Leistung zu reflektieren. Explizit wirkungsorientiert zu arbeiten kann also dazu führen, dass fachliche Reflexion in Bezug auf die Orientierung am Menschen einen Rahmen bekommt, „Qualität“ Sozialer Arbeit sichtbar(er) wird.

Vier Träger der Eingliederungshilfe haben sich zu unterschiedlichen Zeitpunkten auf den Weg gemacht, sich mit der Thematik der Wirkungsorientierung auseinanderzusetzten: Die Eingliederungshilfe Heilbronn und Ulm, die Diakonie Ummeln und leben mit behinderung Hamburg. Sie werden mit oder über die jeweiligen wissenschaftlichen Begleiter:innen in Workshops über ihre Prozesse uns bisherigen Ergebnisse berichten und diese dort zur Diskussion stellen.

Mit dem Fachtag möchten die beiden Leiterinnen des Studiengangs Soziale Arbeit – Menschen mit Behinderung an der DHBW Villingen-Schwenningen, Christina Plafky und Anja Teubert den Teilnehmenden die Gelegenheit geben, sich mit der Thematik der Wirkungsorientierung auseinanderzusetzen, in einen fachlichen Diskurs zu gehen, miteinander zu lernen und bestenfalls mit neuen Ideen und einer fachlichen Haltung zur Thematik in die Praxis zurück zu kehren.

(Bild: Pixabay)

 

9:30 Uhr Begrüßung: Prof. Dr. Christina Plafky
   
Kurzvorträge        Wirkungsorientierung und -kontrolle im „Bausteine-Format“
Worum geht es dem KVJS mit den Entwicklungsprojekten?
Irmgard Fischer-Orthwein
Kommunalverband für Jugend und Soziales Baden-Württemberg
   
  Jetzt auch noch Wirkungsorientierung! Wo bleibt das Vertrauen?
Prof.in Dr.in Anja Teubert
DHBW- Villingen-Schwenningen
   
10:30 Uhr Diskussion im Plenum
  Moderation: Prof. Dr. Christina Plafky
   
11:00 Uhr -
11:15 Uhr
Pause
   
11:15 Uhr -
12:15 Uhr
Workshops erster Durchgang
   
  1. Neue Bausteine Wirkungsorientierung in der EGH: Zwischenstand Landkreis Heilbronn
Dr. Thomas Meyer, DHBW-Stuttgart & Jessica Reitz sowie Sarah Kollmar und Melek Özkul, Landkreis Heilbronn

Im Landkreis Heilbronn wird gemeinsam mit der Johannes-Diakonie Mosbach ein Instrument entwickelt, um sowohl fallspezifisch als auch sozialplanerisch Wirkungen von Eingliederungshilfeleistungen (Schwerpunkt Wohnen) durch das Teilhabemanagement zu dokumentieren. Der Fokus liegt aktuell auf der Betrachtung der Zielerreichung, der Umweltfaktoren und der Zufriedenheit.
   
  2. Neue Bausteine Wirkungsorientierung in der EGH: Zwischenstand Stadt Ulm
Prof. in Dr.in Annette Plankensteiner, DHBW-Stuttgart & Manuela Wettels und Johanna Wuchenauer, Stadt Ulm

Die Stadt Ulm möchte im Projekt messbare Kriterien für die im Bundesteilhabegesetz geforderte Wirkungsorientierung der Eingliederungshilfe erarbeiten und erproben sowie die zukünftige Form der Erhebung und Dokumentation festlegen. Dafür sollen sowohl die Einzelfallebene im Gesamtplan wie auch die strukturelle Ebene in der Leistungsvereinbarung in den Blick genommen werden. Erkenntnisse aus dem Ulmer Fachkonzept der Sozialraumorientierung in der Eingliederungshilfe fließen entsprechend ein."
   
  3. Wirkungsorientierte Behindertenhilfe durch Selbstevaluation: Zwischenstand Marie Nottebaum, IKJ Institut für Kinder- und Jugendhilfe & Mareike Schaak Diakonische Stiftung Ummeln

Menschen mit Behinderung sind fähig bzw. können und sollten befähigt werden, Rückmeldung zum Nutzen der erhaltenen Hilfe zu geben. Hierzu braucht es in Einrichtungen und Diensten der Eingliederungshilfe einen dienlichen Dialog mit  Klient:in und Unterstützer:innenkreis sowie Instrumente, die ein verbindliches und einheitliches Vorgehen sicherstellen. Gefördert durch die Stiftung Wohlfahrtspflege NRW machte sich dieses Projekt auf den Weg ein solches Instrumentarium zu entwickeln. Ziel ist es einen Pool unterschiedlicher Methoden aufzubauen, sodass jeder betroffene Mensch, im Rahmen seiner Beeinträchtigung Möglichkeiten hat, eine Rückmeldung zu geben.
   
  4. "MeinKompass wirkt“: Zwischenstand Leben mit Behinderung Hamburg (lmbhh), Martin Rösner (lmbhh) & Prof.in Dr.in Anja Teubert DHBW Villingen-Schwenningen

Das Arbeiten nach dem Fachkonzept "Mein Kompass", das das personenorientierte Arbeiten bei lmbhh befördern soll, bildet die Basis für wirkungsvolle, weil passgenauere Unterstützungsmaßnahmen. Neben der Entwicklung eines Selbstwirksamkeits­empfindens der Adressat*innen ist der Träger nun dabei, die Akzeptanz personenzentrierten Arbeitens durch Wirkungsorientierung auch bei den Mitarbeitenden zu befördern. Wie lmbhh sich hierzu auf den Weg gemacht hat, wo der Träger derzeit steht und welche Ziele er mit wirkungsorientiertem Arbeiten verfolgt, wird im Workshop zur Diskussion gestellt.
   
12:15 Uhr -
13:15 Uhr
Mittagspause
   
13:15 Uhr -
14:15 Uhr
Workshops zweiter Durchgang
   
14:30 Uhr -
15:00 Uhr
Kurzer Abschluss, für diejenigen, die das Bedürfnis haben, sich nochmals im digitalen Plenum auszutauschen oder Rückmeldungen geben wollen.
   
   
   

Bitte melden Sie sich bis 31.05.2021 an und geben Sie an, an welchen Workshops Sie teilnehmen.

Die Teilnahme ist kostenlos.

Einverständniserklärung

Wichtige Infos zur Veranstaltung

Ort Virtueller Fachtag
Datum 08.06.2021
Zeit 09:30–15:00