Projekte

IPP

Institute for Psychotherapy and Psychotraumatology
Universität Duhok

In der nordirakischen Stadt Dohuk hat das Institut für Psychotherapie und Psychotraumatologie im März 2017 seinen Studienbetrieb aufgenommen. Der Aufbau des neuen "Institute for Psychotherapy and Psychotraumatology" an der Universität Dohuk wird von Professor Dr. Dr. Jan Ilhan Kizilhan in Kooperation mit der Universität Tübingen durchgeführt.

Im neu gegründeten Institut für Psychotherapie und Psychotraumatologie in Dohuk werden Therapeutinnen und Therapeuten im Rahmen eines von den Projektpartnern neu konzipierten Masterstudiengangs (Master of Arts in Psychotherapy and Psychotraumatology) ausgebildet. Teil der Ausbildung ist auch ein „Train the Trainer-Konzept“. Langfristig soll mit dem Institut und der Qualifizierung von Fachkräften im Irak eine verbesserte Versorgung traumatisierter Geflüchteter in Kliniken, Betreuungseinrichtungen und in den Camps des Landes erreicht werden.

Gefördert wird das Projekt durch das Auswärtige Amt der Bundesrepublik Deutschland, aus Mitteln des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst des Landes Baden-Württemberg und über den Deutschen Akademischen Austauschdienst.

Inventar: Gerechtigkeit und Trauma

Inventarentwicklung Gerechtigkeit und Trauma

Seelische Verletzungen von Überlebenden großer Ungerechtigkeitserfahrungen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit können nach Annahmen von Experten frühestens dann geheilt werden, wenn die Betroffenen Gerechtigkeit erfahren. Zwar ist es Aufgabe der Justiz die Täter zur Rechenschaft zu ziehen sowie Reparationen und andere Mittel einzurichten um Gerechtigkeit wiederherzustellen, jedoch kann dies oftmals Jahre dauern und es ist nicht gesagt, dass es die psychische Situation einzelner Betroffener ausreichend verändert. Um Überlebende in ihrem Heilungsprozess zu unterstützen, gilt es deshalb auch die psychologischen Konsequenzen der Ungerechtigkeitserfahrungen zu betrachten und zu behandeln.

Trotzdem hat das Thema Gerechtigkeit bisher kaum Einzug in die psychotherapeutische Behandlung traumatisierter Personen gefunden. Ziel unserer Studie ist es psychologische und emotionale Strategien im Umgang mit schweren Ungerechtigkeitserfahrungen zu erfassen und Zusammenhänge zwischen einem verletzen Gerechtigkeitsgefühl und anderen psychologischen und psychosozialen Folgen von Gewalterfahrungen zu untersuchen.

Dafür arbeiten wir aktuell an der Entwicklung eines Inventars zur Erhebung der Ungerechtigkeitswahrnehmung bei traumatisierten Personen. Das Inventar entsteht in Zusammenarbeit mit Experten auf dem Feld der Gerechtigkeit und auf Grundlage von Fokusgruppen mit Überlebenden verschiedener Ungerechtigkeitserfahrungen in Krisenregionen dieser Welt. Für die Überprüfung der Validität und Reliabilität des Inventars sind Untersuchungen mit Überlebenden des Genozids in den Herkunftsländern und Geflüchteten in Deutschland geplant.

Anknüpfend an das im Institut für transkulturelle Gesundheitsforschung (ITG) entstandene Traumaworkbook (Kizilhan et al. 2019) wollen wir in einem zweiten Schritt unsere Erkenntnisse in die Traumatherapie von Überlebenden von Unterdrückung, Verfolgung und Gewalt aus Kriegs- und Krisenregionen integrieren. In Planung sind dafür Moduleinheiten die den Umgang mit Gerechtigkeit und Ungerechtigkeit fokussieren. Diese sollen später in die psychotherapeutische und psychosoziale Arbeit implementiert werden. Ihre Wirksamkeit wird im Vergleich zu bestehenden Behandlungskonzepten in der Praxis untersucht werden.

Ansprechpersonen: Johanna Neumann, Jan I. Kizilhan

 

Professionelle Reflexionskompetenz

Förderung von professioneller Reflexionskompetenz im Kontext transkultureller Traumaarbeit

– Ein Lernangebot für Fachkräfte aus psychosozialen und pädagogischen Berufsfeldern

Fachkräfte in psychosozialen und pädagogischen Berufen sind hierzulande bereits vielfach in transkulturelle Traumaarbeit eingebunden sind, ohne dass ihnen spezifische und notwendige Unterstützungsmaßnahmen zur Belastungsbewältigung und Reflexion von traumatischen Stress ausreichend zur Verfügung stehen. Das Ziel der Promotion besteht darin, für diese Problemlage eine pädagogische Intervention zu entwickeln. Das Lernangebot soll in das am Institut für Transkulturelle Gesundheitsforschung angebotene Kontaktstudium „Transkulturelle Traumapädagogik“ implementiert werden, an dem Fachkräfte aus psychosozialen und pädagogischen Tätigkeitsfeldern berufsbegleitend teilnehmen. Die dem Promotionsvorhaben zu Grunde liegende Forschungsfrage lautet:

Wie kann ein Lernangebot zur Förderung professioneller Reflexionskompetenz für Fachkräfte im Kontext transkultureller Traumaarbeit prinzipiell gestaltet werden?
Forschungsmethodisch soll dies nach der Herangehensweise der entwicklungsorientierten Bildungsforschung nach McKenney und Reeves (2012) erfolgen.

Ansprechpersonen: Kornelia Schlegel, Jan I. Kizilhan

 

Reparations after Genocide

Collective and Moral Reparations for Ezidi Survivors of Genocide - A Field Study

The attacks against the Ezidi ethno-religious minority in Sinjar by fighters of the armed group referring to itself as the Islamic State (“IS”) constitute genocide under the 1948 Convention for the Prevention and Punishment of the Crime of Genocide, as recognized by, inter alia, the United Nations. While government bodies, human rights organizations and journalists have extensively documented crimes against the Ezidis, and despite the number of survivors who have been liberated and are ready to testify, legal proceedings are yet to commence. No large-scale reparation mechanism has been implemented yet by Iraq or the Kurdistan Regional Government for survivors of the genocide, either as a result of legal proceedings or as part of an administrative program.

In this research, we conduct a qualitative study in Northern Iraq and the Kurdistan Region including purposeful interviewing of survivors and families of victims highlighting the Ezidi community’s interests, thereby drafting a framework of collective and moral reparations implementable independent from legal proceedings.

The objective is to design a framework of collective and moral reparations, shaped in light of data collected on the ground and analyzed together with previous examples of reparation schemes implemented as part of transitional justice programs in other post-conflict countries. This study is expected to inform Iraqi and Kurdish policy makers, in addition to foreign development agencies, in helping them direct resources to where they are needed.

Another significant objective is to empower survivors of the genocide, a majority of whom are female survivors of sexual violence, by giving them a platform to voice their needs, opinions and expectations for symbolic collective reparations.

Ansprechpartner: Jan I. Kizilhan, Güley Bor

Kooperationspartner:
Institute for Psychotherapy and Psychotraumatology (IPP), University of Duhok, Irak
Ziviler Friedensdienst (ZFD), Germany

MIMI

Capacity Building zur Gewaltprävention für geflüchtete Männer in Deutschland

Konzeptentwicklung und Schulung von Männern zu Mediatoren für Gewaltprävention und Selbstschutz

Die Erfahrungen des bisherigen Projektverlaufs von „MiMi – Gewaltprävention mit Migrantinnen für Migrantinnen – Capacity Building zur Gewaltprävention, zu Selbstschutz und Empowerment für geflüchtete Frauen und Mädchen in Deutschland 2016“ (MiMi-Gewaltprävention) haben gezeigt, dass Informations- und Präventionsarbeit nicht allein Frauen, sondern auch Männer ansprechen muss. Auf der Grundlage des Konzepts für Frauen wurden daher Schulungsinhalte und Informationsmaterialen für Männer entwickelt, zur geschlechtsspezifischen Betrachtung von Gewalt und Sexualität und dem Umgang damit.

An verschiedenen Standorten wurden bundesweit Männer mit Migrationshintergrund geschult. Diese informieren nun als interkulturelle Mediatoren kultur-, sprach- und geschlechtssensibel über Formen der geschlechtsspezifischen Gewalt, Prävention von Gewalt, Umdeutung von kultureller und struktureller Gewalt, Alternativstrategien sowie über Schutzmöglichkeiten und Handlungsstrategien. Begleitend wurde ein Ratgeber für geflüchtete und neuzugewanderte Männer entwickelt. Ehrenamtliche und Fachkräfte aus dem Gewaltschutzsystem sowie dem Hilfesystem für geflüchtete Menschen werden geschult und vernetzt.

Wissenschaftlich begleitet und evaluiert wird das Projekt durch das Projektteam der DHBW Villingen-Schwenningen, unter der Leitung von Prof. Dr. Dr. Kizilhan. Die gewonnenen Erkenntnisse werden im Rahmen einer bundesweiten Fachtagung am 19. Dezember 2018 in Berlin vorgestellt und diskutiert.

Ansprechpartner: Jan I. Kizilhan, Claudia Klett, Andreas Sauter

Kooperationspartner:
Ethnomedizinisches Zentrum e. V.

gefördert durch: Die Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration

Link zur Homepage MiMi

Informationen zur Fachtagung am 19. Dezember 2018 in Berlin:   Tagungsprogramm       Tagungungshomepage MIMI

 

PSYCH-On

Digitales Lernangebot:  PSYCH-On

Im Pilotprojekt wurden von Oktober 2014 bis März 2018 E-Learning Module zum Thema „Gesundheit – Psychische Erkrankungen und Rehabilitation“ erarbeitet. Entwickelt wurde PSYCH-On für den Studiengang Soziale Arbeit als ergänzendes Lehr- / Lernangebot. Der Kurs behandelt aus der Perspektive der Sozialen Arbeit ausgewählte psychische Störungsbilder der ICD-10 Klassifikation und störungsübergreifende Spezialthemen. Er besteht aus elf Lerneinheiten, durch die ausgewiesene Fachexperten/-innen zusammen mit erfahrenen Sozialarbeitenden führen. Die Wissensvermittlung erfolgt durch Video- und Audiosequenzen, animierte Grafiken und Selbsttest-Aufgaben. Durch seinen modularen Aufbau kann PSYCH-On sowohl zum Selbststudium als auch in Blended Learning Szenarien eingesetzt werden.

Ansprechpartner: Jan I. Kizilhan, Kornelia Schlegel, Christiana Nolte

Kurzeinführung zu den Inhalten des Lernangebots:

 

OMID

Frühe Hilfen für traumatisierte Flüchtlinge

Traumatisierten geflüchteten Menschen soll frühzeitig fachlich kompetente Hilfen angeboten werden.  Aufgabe ist es, neue und frühzeitige niederschwellige Unterstützungsangebote für traumatisierte Flüchtlinge, Kinder und Erwachsene, vor Ort in den Gemeinschaftsunterkünften anzubieten, weiter zu entwickeln und umzusetzen.

Ziele des Projekts

  • Schaffung neuer Vernetzungen mit bisher nicht genutzter Fachkompetenz
  • Entwicklung und Umsetzung neuer und frühzeitiger Unterstützungsangebote für traumatisierte Flüchtlinge vor Ort in den Flüchtlingsunterkünften
  • Entwicklung und Umsetzung stützender seelsorgerischer Angebote
  • Ergebnissicherung durch wissenschaftliche Begleitung
  • Sicherung der Nachhaltigkeit über das Projektende hinaus, sowohl finanziell wie inhaltlich

 

Ansprechpartner: Jan I. Kizilhan

Projektträger: Caritasverband für Stuttgart e.V.

Gefördert durch: Landeshauptstadt Stuttgart, des bischöflichen Ordinariats der Diözese Rottenburg-Stuttgart und aus Eigenmitteln des Caritasverbands für Stuttgart e.V.

Link zur Homepage OMID