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Neue und inspirierende Einblicke in Berlin

Studierende des Studiengangs »Soziale Arbeit – Netzwerk- und Sozialraumarbeit« auf Exkursion in der Hauptstadt

Vom 9. bis 10. August 2022 hieß es für Studierende des Studiengangs »Soziale Arbeit – Netzwerk- und Sozialraumarbeit«: Auf nach Berlin! Das unter dem Motto „Gegensätze“ von der Studiengangsleiterin Professorin Dr. Daniela Steenkamp gestaltete Programm führte die Studierenden zu ungewöhnlichen Orten und innovativen Projekten der sozialraumbezogenen Arbeit.

Tim Kegler und Virginia Assmann schilderten den Studierenden im Interkulturellen Garten Lichtenberg (kurz »IKG«), einem der größten Gemeinschaftsgärten Berlins in Alt-Hohenschönhausen, wie Mietbeete und das soziale Miteinander organisiert und damit Nachhaltigkeit und Interkulturalität gefördert werden. Der Garten wird von der SozDia-Stiftung Berlin betrieben und liegt in einer Plattenbausiedlung.

Gemeinsam mit dem Quartiersmanager Thomas Helfen von der Stadtkümmerei besuchten die Studierenden Berlin-Neukölln und erfuhren aus erster Hand, wie Quartiersarbeit in einem von extremen sozialen Gegensätzen geprägtem Bezirk funktionieren kann. Multifunktionale Nutzung von sozialer Infrastruktur aufgrund von Verdichtung und knappen Ressourcen sei der Trend, so der Quartiersmanager, und gab viele, teils auch kontroverse, Beispiele. So zeigte er ein Jugendzentrum, das auf einem alten Bunker gebaut wurde oder eine Kaffeebar, die inmitten eines Neuköllner Friedhofs liegt. Er schlug auch kritische Töne an: Die Moschee, die ein wichtiger Anlaufpunkt für viele Menschen sei, habe bei einigen mit Vorurteilen zu kämpfen. Stattdessen plädierte er für die gezielte Einbindung und das geschickte Ausbalancieren unterschiedlicher Interessen.

„In der Arche, der bundesweit wohl bekanntesten Einrichtung gegen Kinderarmut in Berlin-Hellersdorf, konnten sich die Studierenden von der Bedeutsamkeit von Konfliktmoderation überzeugen“, berichtete Steenkamp. „Über achtzig Prozent der in der Umgebung lebenden Familien beziehen dort Transferleistungen. Tim Rauchhaus, Leiter der Arche, beschrieb die daraus resultierenden Auswirkungen und Herausforderungen, darunter die kaum stattfindende Wertevermittlung, mangelndes Durchhaltevermögen und Gewalt als Konfliktlösungsstrategie.“ Schulen und Jugendämter seien oft überfordert, die Abläufe viel zu bürokratisch, kompliziert und langsam. Für das Amt seien Betroffene ein Fall, eine Nummer. „Rauchhaus Anspruch ist es, jedes Kind in der Arche so zu behandeln, als wäre es das einzige. Die Arche setzt deshalb kostenloses Mittagessen für Kinder und deren Eltern, Hilfe bei den Hausaufgaben, ein breites Freizeitangebot, klare Verhaltensregeln und ermutigende Kommunikation als zentrale Schalthebel für ihre Arbeit ein.“

Zum Abschluss ging es an der Spree entlang zum Stadtteilzentrum KREATIVHAUS des Trägers FiPP e.V. Der gebürtige Donaueschinger Patrice Hannig baut dies gemeinsam mit engagierten Kolleg*innen zu einem Zentrum der Gemeinwesen- und Nachbarschaftsarbeit aus. Hier wohnen Diplomat*innen mit ihren Familien, Senior*innen und Familien im Transferleistungsbezug unmittelbar nebeneinander. Steenkamp erklärt das Konzept: „Die Gegensätze könnten größer nicht sein. Mit neuen mobilen Ansätzen, wie beispielsweise einem Lastenrad, gut gefüllt mit Kaffee, Infomaterial und Sitzgelegenheiten fahren Mitarbeitende des FiPP zu den Menschen im Quartier und beraten direkt vor Ort.“

Von der kurzen aber intensiven Exkursion nahmen die Studierenden neuen Eindrücke, die teils nachdenklich stimmten, mit nach Villingen-Schwenningen: „An diese Orte wäre ich niemals allein gekommen und ohne diese Fahrt hätte ich diese Ansätze nur in der Theorie kennengelernt“, so die Studentin Malin Mila. Die Exkursion fand im Zusammenhang mit dem Arbeitsfeldseminar im sechsten Semester statt.

Der Quartiersmanager Thomas Helfen führte die Studierenden durch Berlin-Neukölln. (Bild: DHBW)