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Die Arbeit im Nordirak verliert keineswegs an Bedeutung – im Gegenteil

»Der Spiegel« berichtet aktuell (06.01.2020) über die Arbeit von Professor Dr. Dr. Jan Ilhan Kizilhan am Institut für Psychotherapie und Psychotraumatologie, das er mit Unterstützung aus Deutschland im kurdischen Autonomiegebiet im Nordirak an der Universität Dohuk im Jahr 2016 gegründet hat.

Im Herbst 2019 absolvierten dort die ersten 25 Studierende ihren Abschluss und sind nun ausgebildete Psychotherapeut*innen. Kizilhan ist zuversichtlich, dass die Psychotherapie im Nahen Osten in Zukunft an Bedeutung gewinnt. Bisher gebe es noch Vorbehalte, besonders seitens der Bevölkerung. „Viele Menschen mit psychischen Erkrankungen gehen vorzugsweise zu einem/r Psychiater*in und versuchen ihre Beschwerden medikamentös zu lindern“, so Kizilhan. Es gibt allerdings auch überprüfte therapeutische Methoden, die etwa bei Posttraumatischen Belastungsstörungen und anderen in Krisen- und Kriegsgebieten häufig vorkommende psychische Erkrankungen den Betroffenen helfen können. Diese Methoden werden am »Institute for Psychotherapy and Psychotraumatology (IPP)« den Studierenden vermittelt und zwar kultursensibel; das bedeutet es werden kulturspezifische Aspekte – zum Beispiel das Verständnis von Gesundheit oder familiäre und religiöse Besonderheiten – bei der Behandlung beachtet. Die ersten Absolvent*innen des IPP sind inzwischen bei regionalen Institutionen und Organisationen tätig und behandeln geflüchtete Menschen mit psychischen Erkrankungen.

„Sehr viele Menschen sind in den vergangenen Jahren vor dem IS geflüchtet, haben traumatische Ereignisse erlebt und im Nordirak in einem der Camps inzwischen Sicherheit gefunden. Die psychischen Belastungen halten jedoch an. Generell sollten Traumata aufgearbeitet werden und die betroffenen Menschen dabei von Therapeutinnen und Therapeuten begleitet werden. Schwelende Konflikte – auch in den Nachbarländern – tragen momentan nicht zur Entspannung der Situation bei, was die Arbeit hier vor Ort umso wichtiger macht“, meint Kizilhan.

Professor Dr. Dr. Jan Ilhan Kizilhan ist Professor und Leiter des Instituts für Transkulturelle Gesundheitsforschung an der DHBW Villingen-Schwenningen. Der international anerkannte und gefragte Experte für Psychotraumatologie und transkulturelle Psychiatrie ist Gründungsdekan des »Institutes for Psychotherapy and Psychotraumatology« der Universität Dohuk und verantwortet fachlich die transkulturelle psychosomatische Rehabilitation an der MEDICLIN Klinik am Vogelsang in Donaueschingen. Auf dem Gebiet der Psychotraumatologie, Gewaltforschung, transkulturelle Psychiatrie und Psychotherapie forscht Kizilhan seit 20 Jahren und hat international zahlreiche Studien sowie Literatur veröffentlicht. Kizilhan wurde mehrfach ausgezeichnet, tritt als Gutachter für Gerichte und internationale Organisationen auf und wurde im Januar 2015 von der Landesregierung beauftragt, 1.000 traumatisierte Frauen und ihre Kinder nach Baden-Württemberg zu holen.

Flüchtlingscamp im Nordirak (Bild: DHBW Villingen-Schwenningen).