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„Daten sind wesentliche Basis für unsere Business-Entscheidungen“

Das Zukunftsforum lockte am 20. Oktober 2019 rund 100 Interessierte aus Wirtschaft und Wissenschaft an die DHBW Villingen-Schwenningen. „Ich freu mich sehr, Sie alle heute Abend begrüßen zu dürfen und gemeinsam mit den Referenten und Ihnen über die Nutzung von Daten zu sprechen und herauszufinden wie man aus ihnen einen echten Mehrwert erzeugt“ hieß Herr Prof. Dr. Clive Flynn, Professor für BWL – International Business an der DHBW Villingen-Schwenningen, nach der Ansprache des Rektors, Prof. Dr. Ulrich Kotthaus, die Gäste willkommen.

Das dritte Zukunftsforum stand unter dem Slogan »Digital Intelligence« und beleuchtete in vier Vorträgen und einer Begleitausstellung wie Unternehmen von der Digitalisierung und den erzeugten und gesammelten Daten profitieren können.

Eine Umfrage unter den Teilnehmer*innen zu Beginn des Abends verdeutlichte, dass sich die Anwesenden eher weniger von den Anforderungen der Digitalisierung überfordert fühlen. „Das ist schon Mal eine gute Ausgangsposition für diesen Abend“ hielt Flynn fest. Nach der Bedeutung der digitalen Transformation für den Geschäftserfolg des Unternehmens der Teilnehmer*innen im Allgemeinen, messen ihr der Umfrage nach knapp 50 Prozent eine hohe, und knapp 30 Prozent eine sehr hohe Bedeutung zu. Etwas über 20 Prozent gaben an, dies nicht abschätzen zu können. „Wie würden Sie den Nutzen der technologischen Entwicklung für Ihr Unternehmen in den letzten fünf Jahren beurteilen?“ fragte Flynn ins Plenum, das via Smartphone an der Umfrage teilnahm. Eher hoch gaben über 50 Prozent an; sehr gering bewertet wurde er lediglich von zwei Prozent.

Eine digitale Strategie, die digitale Innovationen systematisch vorantreibt, besitzen etwas weniger als die Hälfte der Befragten, allerdings glauben knapp 60 Prozent, dass bei der Entwicklung digitaler Technologien die Bedürfnisse der Unternehmen im Mittelpunkt stehen.

Andreas Sicheneder, Leiter der Customer IT Solutions bei der Audi Business Innovation GmbH in München sprach in seinem Vortrag über die vier Geschäftsfelder des Unternehmens und wie die Audi Business Innovation GmbH in 52 »Circles«, die themenspezifisch zuweilen durch die Expertise von Berater*innen unterstützt werden, Innovationen und Produktentwicklung vorantreiben. „Circa 80 Prozent der eingegangenen Vorschläge werden nicht weiter berücksichtigt, weil die Ideen und möglichen Entwicklungen so zahlreich sind. Wir sind gezielt auf der Suche danach, aus unseren Daten einen Mehrwert zu ziehen. Diese Daten sind dann die wesentliche Basis für unsere Business-Entscheidungen“, erklärte Sicheneder. Die traditionelle Aufstellung eines Fahrzeugherstellers sei üblicherweise »Marke | Händler | Kunde«; durch die Digitalisierung ergeben sich ein anderes Bild. Schnittstellen und Assistenzen werden individuell unterschiedlich genutzt wodurch der Kunde ins Zentrum gerückt wird und die Marke und der Händler gemeinsam an der Umsetzung und Weiterentwicklung der Services arbeiten.

Dr. Günther Möckesch, Gründer und Geschäftsführer von artificial intelligence 4 big data (ai4bd), referierte zum Thema »Kognitive Digitalisierungsstrategien oder der Weg zu CBR – Cognitive Business Robotics«. „Intelligenz wird immer noch unterschiedlich definiert; synonym verwenden wir häufig auch das Wort »Wissen« dafür. Im Bereich der künstlichen Intelligenz (KI) sind wir uns noch weniger einig darüber, was Intelligenz bedeutet. Künstliche Intelligenz wird kein Allheilmittel sein, aber mit standardisierten Plattformen (CBR)“, so Möckesch „können wir sie nachhaltig und bezahlbar nutzen.“ Das sei gerade für kleine und mittlere Unternehmen reizvoll, für die die eigeninitiierte Erarbeitung einer Digitalisierungsstrategie und Trendforschung aus Kostengründen oftmals weniger interessant sei.

Wie Audi bündelt auch die Sick AG mit einem Projektteam »Industrie 4.0« ihre Kompetenzen, um das familiengeführte Unternehmen im Bereich der digitalen Trends und Strategien weiter voranzubringen. Projektmanager Alexander Aberle berichtete über die Geschäftsfelder in denen die Sick AG marktführend ist und wie das Unternehmen in kleinen Teams, den sogenannten »Start-Ups«, Trends und neue Themen ausfindig macht und bearbeitet. So beschäftigt sich die Sick AG auch mit »Deep Learning«, einer speziellen Methode der Informationsverarbeitung, die neuronale Netze nutzt und im Bereich des »Machine Learnings« zu verorten ist. »Deep Learning« eignet sich besonders gut für Anwendungen, zu denen große Datenbestände zur Verfügung stehen, wodurch sich Muster und Modelle ableiten lassen. So können Prozesse erlernt und durch stets neue Verknüpfung des neuronalen Netzes in einer Art Lernvorgang verbessert werden.

Bei Prognosen und Vorhersagen verlässt sich Prof. Dr. André Kuck auf »emergente Gesetze«. „Einzelne Beobachtungen vorherzusagen ist fast nicht möglich; von dieser Hoffnung haben wir uns verabschiedet“, sagte er. Der Ansatz der emergenzbasierten Statistik basiert auf einer objektiven Definition empirischen Wissens als Menge von Mustern, die bisher immer beobachtet wurden. „Die Realität ist widerspruchsfrei: alles was bisher schon immer so war, wird auch in Zukunft mit einer gewissen empirischen Mindestrate wieder auftreten“, erklärte der Leiter des Zentrums für Emergenzbasierte Statistik (ZES) an der DHBW Villingen-Schwenningen. „Unsere Prognosen lassen sich alle überprüfen und wir sind sogar in der Lage, nicht nur über die Fehlerwahrscheinlichkeit Aussagen zu treffen, sondern über die Ursachen der Fehler.“

„Wir hatten einen informativen Abend und konnten spannende Eindrücke erhalten. Ein herzliches Dankeschön an alle Referenten und Aussteller. Ich freue mich schon auf das vierte Zukunftsforum“, sagte Flynn bei der Verabschiedung.

Als Diskussionsplattform innovativer Themen aus Wissenschaft und Praxis wird das Zukunftsforum von der DHBW Villingen-Schwenningen und der Hochschule Furtwangen gemeinsam mit der IHK Schwarzwald-Baar-Heuberg, TechnologyMountains e.V. und dem Marketing-Club Schwarzwald-Baar e.V. durchgeführt.

Veranstalter*innen und Referenten des Zukunftsforums 2019 an der DHBW Villingen-Schwenningen.