Empfehlungen zur psychischen Gesundheit

Psychische Gesundheit und psychosoziale Aspekte zur COVID-19

Zusammengestellt von J. I. Kizilhan, C. Klett, K. Schlegel und J. Neumann

Das vorliegende Dokument orientiert sich an der Erklärung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) vom Januar 2020 zum Ausbruch der Coronavirus-Krankheit. Diese Zeit der Krise erzeugt Stress, auch bei Nicht-Erkrankten. Neben der medizinischen Versorgung ist auch der psychosoziale Umgang mit der Pandemie notwendig. Die nachfolgenden Empfehlungen dafür sind sowohl an Nicht-Betroffene und Betroffene im familiären und beruflichen Bereich als auch an Leiterinnen und Leiter von Institutionen und Organisationen, wie unsere Hochschule, gerichtet.

Vermeidung von Stigmatisierungen

Menschen unterschiedlicher Herkunft und mit unterschiedlichen kulturellen, religiösen und ethnischen Hintergründen sind in Deutschland von COVID-19 betroffen. Verbinden Sie daher die Erkrankung nicht mit einer ethnischen, religiösen oder nationalen Zugehörigkeit. Menschen, die von COVID-19 betroffen sind, haben nichts falsch gemacht, und sie verdienen unsere Unterstützung, unser Mitgefühl und unsere Sympathie.

Bezeichnen Sie an COVID-19 erkrankte Menschen nicht als "COVID-19-Fälle", "Opfer", "COVID-19-Familien" oder die "Erkrankten". Sie sind "Menschen, die COVID-19 haben", "Menschen, die wegen COVID-19 behandelt werden", "Menschen, die sich von COVID-19 erholen" und nach der Genesung von COVID-19 ihr Leben mit ihrer Arbeit, ihren Familien und ihren Angehörigen fortsetzen werden. Es ist wichtig, eine Person von einer durch CO-VID-19 definierten Identität zu trennen, um Stigmatisierungen zu verringern.

Umgang mit Nachrichten

Minimieren Sie das Anschauen, Lesen oder Hören von Nachrichten, die bei Ihnen ein Ge-fühl von Angst oder Verzweiflung auslösen oder dieses verstärken. Der plötzliche und nahezu konstante Strom von Nachrichtenmeldungen über einen Ausbruch kann bei jedem Menschen ein Gefühl der Besorgnis auslösen.

Vermeiden Sie Gerüchte oder Fehlinformationen, wählen Sie ausschließlich vertrauens-würdige Quellen. Die immer wieder aktualisierten Informationen auf der Website der WHO (https://www.who.int/health-topics/coronavirus) oder des Robert-Koch-Instituts in Deutschland (https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/nCoV.html), wie auch die Webseiten der örtlichen Gesundheitsbehörden (https://www.lrasbk.de/Kurzmen%C3%BC/Startseite/Infos-zum-Coronavirus.php?object=tx,2961.5&ModID=7&FID=2961.13112.1), helfen, Fakten von Ge-rüchten unterscheiden zu können. Und Fakten können helfen, Ängste zu minimieren.

Informieren Sie sich mit dem Ziel, praktische Schritte und Konsequenzen abzuklären, wie Sie sich und Ihre Lieben schützen und eine weitere Ausbreitung vermeiden können.

Wählen Sie dafür bestimmte Zeiten am Tag, ein- oder zweimal, um nach Aktualisierungen der Informationen zu suchen.

Darüber hinaus ist es wichtig, alle notwendigen Informationen auf vielen verschiedenen Sprachen zur Verfügung zu stellen. Gerade bei Migrantinnen und Migranten und Geflüchteten können die Nachrichten über Grenzschließungen weitere Unsicherheiten auslösen. Es sollte deshalb sichergestellt werden, dass alle Informationen richtig verstanden werden können.

Unterstützung und positive Handlungen

Schützen Sie sich selbst und unterstützen Sie andere. Anderen in ihrer Not zu helfen, kann sowohl der Person, die Unterstützung erhält, als auch der helfenden Person zugute-kommen. Melden Sie sich z.B. telefonisch bei Nachbarinnen und Nachbarn oder anderen Personen in Ihrer Gemeinde bzw. Ihrem Umfeld, die möglicherweise zusätzliche Hilfe be-nötigen. Der Zusammenhalt als eine Gemeinschaft im Kampf gegen die COVID-19-Erkrankung kann dazu beitragen, Solidarität zu schaffen.

Finden Sie Gelegenheiten, positive und hoffnungsvolle Berichte, Geschichten und positive Bilder von Menschen aus der Region, die COVID-19 erlebt haben, zu verstärken, z.B. Ge-schichten von Menschen, die genesen sind oder die einen geliebten Menschen unterstützt haben und bereit sind, ihre Erfahrungen zu teilen.

Motivieren und honorieren Sie Fachkräfte, die versuchen, den Menschen zu helfen und in den Organisationen den Umgang mit COVID-19 zu organisieren. Es geht darum, betroffene Menschen zu unterstützen und Neuerkrankungen zu vermeiden.

Rolle der leitenden Personen

Wenn das gesamte Personal während dieser Maßnahme vor chronischem Stress und schlechter psychischer Gesundheit geschützt werden kann, wird es besser in der Lage sein, seine Aufgaben zu erfüllen. Denken Sie daran, dass die derzeitige Situation nicht von heute auf morgen gelöst sein wird. Sie sollten die längerfristige berufliche Kapazität im Blick haben, statt auf wiederholte kurzfristige Krisenbewältigung zu fokussieren.

Stellen Sie sicher, dass allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern eine gute Kommunikation und genaue, aktuelle Informationen zur Verfügung stehen. Initiieren Sie Partnerschaften zwischen neuen und erfahreneren Kolleginnen und Kollegen. Das „Buddy-System“ hilft, Unterstützung zu leisten, Stress zu überwachen und Sicherheitsverfahren zu verstärken. Ermöglichen Sie flexible Zeitpläne für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die indirekt betroffen sind. Stellen Sie sicher, dass sich die Kolleginnen und Kollegen rechtzeitig gegenseitig soziale Unterstützung leisten können, um z.B. von Hause ihre Tätigkeiten ausführen können.

Ermöglichen Sie den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern bei Bedarf einen Zugang zu psychologischen Gesprächen und Beratung. Auch leitende Personen sind mit ähnlichen Stressfaktoren konfrontiert wie ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und sehen sich möglicherweise zusätzlichem Druck in Bezug auf die Verantwortungsebene ihrer Rolle ausgesetzt. Es ist wichtig, dass die oben genannten Vorkehrungen und Strategien sowohl für die Mitarbeitenden als auch für die Leitenden getroffen werden und dass die Leitenden ein Vorbild für Selbsthilfestrategien zum Abbau von Stress sein können.

Für Mitarbeitende mit Kindern

Gewohnte Routinen im täglichen Leben sollten so weit wie möglich beibehalten oder neue Routinen geschaffen werden, insbesondere wenn die Kinder zu Hause bleiben müssen. Bieten Sie den Kindern altersgerechte Aktivitäten an, einschließlich Aktivitäten für ihr Lernen. Ermutigen Sie die Kinder so weit wie möglich, weiterhin mit anderen zu spielen und sich mit ihnen zu unterhalten, wenn auch nur innerhalb der Familie, wenn man ihnen rät, den Kontakt nach außen einzuschränken.

In Stress- und Krisenzeiten ist es üblich, dass Kinder mehr Bindung suchen und die Eltern stärker in Anspruch nehmen. Besprechen Sie COVID-19 mit Ihren Kindern auf ehrliche und altersgerechte Weise. Kinder spüren Gefühle wie Besorgnis, Stress oder Ängste bei den Eltern und können diese besser verstehen und einordnen, wenn darüber gesprochen wird. Wenn Ihre Kinder Bedenken haben, können Sie diese gemeinsam besprechen, um ihre Ängste zu lindern. Die Kinder werden das Verhalten und die Emotionen der Erwachsenen beobachten, um Hinweise zu erhalten, wie sie mit ihren eigenen Emotionen in schwierigen Zeiten umgehen können.

Helfen Sie den Kindern, insbesondere wenn ein Krankheitsfall auftritt, mögliche Gefühle wie Angst und Trauer auszudrücken und verstehen zu können. Jedes Kind hat seine eigene Art und Weise mit Gefühlen umzugehen. Finden Sie gemeinsam mit den Kindern Wege, positiv damit umzugehen. Kinder fühlen sich erleichtert, wenn sie ihre Gefühle in einer sicheren und unterstützenden Umgebung ausdrücken und mitteilen können. Manchmal kann die Teilnahme an einer kreativen Aktivität, wie z.B. Spielen und Zeichnen, diesen Prozess erleichtern.

Kinder brauchen in Krisensituationen besonders die Nähe zu ihren Eltern und zu ihrer Familie. Wenn diese als sicher für das Kind erachtet wird, sollte eine Trennung von Kindern und ihren Bezugspersonen vermieden werden. Wenn ein Kind von seiner primären Bezugsperson getrennt werden muss, sollte sichergestellt werden, dass eine angemessene alternative Betreuung angeboten wird und dass eine ausgebildete Fachkraft, z.B. eine Sozialarbeiterin oder ein Sozialarbeiter, das Kind regelmäßig betreut. Außerdem sollte sichergestellt sein, dass während der Trennungsphase regelmäßiger Kontakt mit den Eltern bzw. Bezugspersonen aufrechterhalten wird, z.B. durch regelmäßige, zweimal tägliche Telefon- oder Videoanrufe oder andere altersgerechte Kommunikationsmöglichkeiten (z.B. soziale Medien je nach Alter des Kindes).

Mitarbeitende mit Älteren und Vorerkrankten in der Familie

Ältere Erwachsene, insbesondere in der Isolation und Menschen mit kognitivem Ab-bau/Demenz, können während des Ausbruchs/der Quarantäne ängstlicher, wütender, gestresster, erregter werden und sich zurückgezogener verhalten. Praktische und emotionale Unterstützung durch informelle Netzwerke (Familien, Nachbarschaft) und Gesundheitsfachkräfte sind sehr wichtig.

Teilen Sie einfache Fakten über das, was vor sich geht, mit und geben Sie klare Informationen darüber, wie das Infektionsrisiko reduziert werden kann, in Worten, die ältere Menschen mit/ohne kognitive Beeinträchtigung verstehen können. Wiederholen Sie die Informationen, wenn nötig. Anweisungen müssen klar, prägnant, respektvoll und geduldig vermittelt werden. Es kann auch hilfreich sein, wenn die Informationen in Schrift oder Bild dargestellt werden. Beziehen Sie Ihre Familie und andere Unterstützungsnetzwerke in die Bereitstellung von Informationen ein und helfen Sie ihnen, Präventionsmaßnahmen zu ergreifen (z.B. Händewaschen, ausreichende Distanz bei Kontakten, Lebensmittel vor die Tür stellen usw.).

Wenn ein Familienmitglied an einer gesundheitlichen Grunderkrankung leidet, stellen Sie sicher, dass ausreichend Zugang zu allen Medikamenten besteht, die die Person gegenwärtig einnimmt. Medikamente, die regelmäßig benötigt werden, sollten für mindestens 2 Wochen zur Verfügung stehen. Aktivieren sie Ihre sozialen Kontakte, um bei Bedarf Hilfe zu leisten.

Warten Sie nicht bis die Erkrankung diagnostiziert ist, bereiten Sie sich jetzt schon auf einen möglichen Ernstfall vor und finden Sie jetzt schon heraus, wo und wie im Bedarfsfall praktische Hilfe zu erhalten ist, wie z.B. ein Taxi, Essenslieferung nach Hause oder medizinische Versorgung.

Gerade bei Personen mit wenigen sozialen Kontakten und beginnender Demenz, oder auch mit psychischen Vorerkrankungen, kann eine solche Krise schnell zu rasanten Veränderungen der kognitiven Leistungen, etc. führen. Regelmäßige Aktivitäten und Routinen sind für diese elementar, um den gesundheitlichen Zustand stabil zu halten.

Planen Sie deshalb gemeinsam Routinen und tägliche Zeitpläne, einschließlich regelmäßiger Übungen, Putzen, täglicher Aufgaben, Singen, Malen oder anderer Aktivitäten und achten Sie auf die regelmäßige Durchführung, um die Alltagsstruktur aufrechtzuerhalten. Tägliche körperliche Übungen, die zu Hause, in Quarantäne oder Isolation durchgeführt werden können, sind wichtig, um Mobilität zu erhalten und die Langeweile zu vertreiben. Ist ein Wechsel der Umgebung erforderlich, sollten die Routinen und Zeitpläne entsprechend angepasst werden.

Helfen Sie anderen, z.B. durch Unterstützung durch Gleichaltrige, Nachbarschaftskontrollen und Kinderbetreuung für medizinisches Personal, das im Kampf gegen die COVID-19-Erkrankung eingesetzt ist. Halten Sie regelmäßigen Kontakt zu Ihren Angehörigen (z.B. über Telefon oder andere Zugänge). Achten Sie hierbei auch auf Nachbarn, die keine Familie vor Ort bzw. keine ausreichenden sozialen Kontakte haben. Achten Sie gleichzeitig darauf, sich selbst durch die Einhaltung der Hygienevorgaben ausreichend zu schützen und schützen Sie dadurch die Menschen in Ihrer Umgebung.

Allgemein

Nutzen Sie die Zeit und kümmern Sie sich um sich selbst. Versuchen Sie, hilfreiche Bewältigungsstrategien anzuwenden, wie z.B. ausreichende Ruhe- und Erholungspausen während der Arbeit oder zwischen den Schichten, ausreichende und gesunde Ernährung, körperliche Betätigung und Kontaktpflege mit Familie und Freunden.

Vermeiden Sie wenig hilfreiche Bewältigungsstrategien wie Tabak, Alkohol oder andere Drogen. Diese können auf lange Sicht Ihr geistiges und körperliches Wohlbefinden verschlechtern.

Die COVID-19-Pandemie ist ein einzigartiges und beispielloses Szenario für viele Menschen, insbesondere, wenn sie bisher nicht mit solchen Krisen und Belastungen konfrontiert waren. Dennoch kann es für Sie von Vorteil sein, Strategien anzuwenden, die Ihnen in der Vergangenheit geholfen haben, Zeiten von Stress zu bewältigen. Wahrscheinlich wissen Sie, wie Sie persönlich am besten Stress abbauen können, und Sie sollten nicht zögern, sich um ihre psychische Gesundheit zu kümmern.

Behalten Sie die Entwicklung der Situation im Blick, vermeiden Sie jedoch zu viele oder ungesicherte Nachrichten, die Ängste und Sorgen verstärken. Gesundheitsbehörden so-wie Expertinnen und Experten in allen Ländern arbeiten daran, die Ausbreitung rasch ein-zudämmen und die Verfügbarkeit der besten Versorgung für die Betroffenen sicherzustellen.

Empfehlungen zum Umgang mit Stress im Alltagsleben infolge von COVID-19

Von J. I. Kizilhan, C. Klett, K. Schlegel, J. Neumann und F. Steger

Stress und Stressbewältigung

Der Ausbruch der Coronavirus-Krankheit 2019 (COVID-19) ist für die Menschen unterschiedlich belastend. Angst und Sorgen vor einer Krankheit und die Distanz zu anderen Menschen können überwältigend sein und bei Erwachsenen wie auch bei Kindern starke Emotionen auslösen.
Jeder Mensch reagiert anders auf Stresssituationen. Dies hängt von den angeborenen und erlernten Bewältigungsstrategien jedes Einzelnen und der Gemeinschaft, in der man lebt, ab. Studien zeigen, dass vor allem folgende Personengruppen in Krisen bzw. der Krise durch COVID-19 anfällig für Stress sind:

  • Ältere Menschen und Menschen mit chronischen Krankheiten, die ein höheres Risiko für COVID-19 haben
  • Kinder und Jugendliche
  • Beschäftigte im Gesundheitssystem (z.B. Ärztinnen und Ärzte, Krankenpfleger*innen, Ersthelfer*innen), die bei der Versorgung von Erkrankten und der Eindämmung von COVID-19 helfen
  • Menschen mit psychischen Erkrankungen
  • Menschen mit Sucht und Medikamentenabhängigkeit

Stress während einer Krise, wie z.B. einer Pandemie, kann Folgendes umfassen:

  • Angst und Sorge um die eigene Gesundheit und die Gesundheit vom Angehörigen
  • Veränderungen im Schlaf- oder Essverhalten
  • Schwierigkeiten beim Schlafen oder Konzentrieren
  • Verschlimmerung chronischer Gesundheitsprobleme
  • Erhöhter Konsum von Alkohol, Tabak oder anderen Drogen
  • Menschen mit bereits bestehenden psychischen Erkrankungen sollten ihre Behandlung fortsetzen und darauf achten, ob sich Symptome verschlechtern oder neue hinzukommen.

Selbstfürsorge und Unterstützung anderer Menschen

Sich um sich selbst zu kümmern und Freunde und Familie zu unterstützen, kann allen helfen, mit dem Stress besser umzugehen. Anderen zu helfen, kann auch die Gemeinschaft stärken und das Gefühl geben, dass man nicht allein ist. Solidarität und gemeinschaftliche Unterstützung gibt Hoffnung und Perspektive, dass die Krise bald und gut überwunden wird.

Dinge, die Sie tun können, um sich selbst zu unterstützen

Machen Sie eine Pause vom Anschauen, Lesen oder Hören von Nachrichten, einschließlich der sozialen Medien. Wenn man immer wieder von der Pandemie hört, kann das verwirrend sein und den Blick für andere, positive Themen und Lebensbereiche verbauen.

  • Nehmen Sie sich bewusst Zeit, um sich zu entspannen. Atmen Sie tief ein und nutzen Sie ein Entspannungsverfahren, das Sie kennen oder im Internet finden. Wir empfehlen z.B. die Progressive Muskelrelaxation (PMR), hierzu gibt es im Internet gute Audio-Anleitungen.
  • Achten Sie auf Ihre Gefühle. Erinnern Sie sich daran, dass starke, beunruhige Gefühle verblassen werden und welche Krisen Sie im Leben schon gemeistert haben. Erinnern Sie sich an einen Moment in Ihrem Leben, an dem Sie sich glücklich, sicher, leicht oder frei gefühlt haben. Machen Sie sich die Erinnerungen an diesen Moment so präsent und so klar wie möglich und fühlen Sie sich intensiv in diese positive Stimmung ein.
  • Kümmern Sie sich um Ihren Körper. Versuchen Sie, sich gesund und ausgewogen zu ernähren, regelmäßig Sport zu treiben, ausreichend und regelmäßig zu schlafen und den Konsum von Alkohol und Drogen zu vermeiden.
  • Machen Sie vermehrt Aktivitäten, die Ihnen Spaß machen (z.B. Malen oder Zeichnen, Gartenarbeit, Lesen, Musizieren, handwerkliche Dinge).
  • Nehmen Sie Kontakt zu anderen auf. Teilen Sie Ihre Bedenken und Ihre Gefühle mit einem Freund bzw. einer Freundin oder einem Familienmitglied. Pflegen Sie gesunde Beziehungen und bauen Sie ein starkes Unterstützungssystem auf. Leider gibt es auch viele Menschen, die wenig Familie haben. Daher sollten Sie sich informieren welche Unterstützungsangebote es bei Ihnen vor Ort gibt, die sie in Anspruch nehmen können, oder bei denen sie helfen können: Einkaufen, Bücher am Telefon vorlesen etc. Ein solches Unterstützungssystem kann auch über verschiedene Medien (WhatsApp, Facetime, Skype, Telefon etc.) aufgebaut werden.
  • Setzen Sie sich nicht zu sehr unter Druck. Es handelt sich um eine unvorhergesehene und absolut außergewöhnliche Situation, die allen viel Flexibilität und Kreativität abverlangt. Seien Sie gnädig mit sich selbst, wenn nicht sofort alles nach Plan läuft und es zu „Reibungsverlusten“ kommt.

Suchen Sie professionelle Unterstützung und wenden Sie sich an Ihre Hausärztin bzw. Ihren Hausarzt, wenn Sie mindestens für zwei Wochen u.a. fünf der folgenden Symptome bemerken:

  • Ein- und Durchschlafstörungen, Alpträume, störende Gedanken und Bilder
  • Kraft- und Antriebslosigkeit
  • Körperliche Reaktionen wie Kopf- und Körperschmerzen oder Magenbeschwerden
  • Gefühle von Taubheit, Unglauben, Angst oder Furcht
  • Veränderungen des Appetits, der Energie und des Aktivitätsniveaus
  • Verschlimmerung chronischer Gesundheitsprobleme
  • Wut oder Unwohlsein
  • Verstärkter Konsum von Alkohol, Tabak oder anderen Drogen.

Umgang mit Kindern

Kinder und Jugendliche können die Ängste und Sorgen der Eltern oder Bezugspersonen übernehmen und reagieren entsprechend selbst mit Ängsten, Unsicherheit, Anspannung und Nervosität. Wenn Eltern und Bezugspersonen ruhig und selbstbewusst mit dem COVID-19-Virus umgehen, können sie ihre Kinder am besten unterstützen. Eltern können anderen Menschen in ihrer Umgebung, insbesondere Kindern, gegenüber sicherer, entspannter auftreten, wenn sie besser vorbereitet sind.

Nicht alle Kinder und Jugendlichen reagieren auf Stress in der gleichen Weise. Folgende Änderungen können auf Ängste und Sorgen hinweisen:

  • Übermäßiges Schreien oder Irritation bei jüngeren Kindern
  • Rückkehr zu Verhaltensweisen, die längst überwunden waren (z.B. Bettnässen, Fingerkauen, Vernachlässigung der Körperhygiene)
  • Übermäßige Sorge oder Traurigkeit
  • Ungesunde Ess- oder Schlafgewohnheiten
  • Reizbarkeit und "Ausagieren" von Verhaltensweisen bei Jugendlichen
  • Schwierigkeiten mit der Aufmerksamkeit und Konzentration
  • Vermeidung von Aktivitäten
  • Unerklärliche Kopf- oder Körperschmerzen
  • Veränderung der Kleidung (z.B. schwarz), der bevorzugten Musik oder andere Verhaltensänderungen, die eher destruktiv erscheinen
  • Konsum von Alkohol, Tabak oder anderen Drogen.

Wie können Sie Kinder und Jugendliche unterstützen?

  • Nehmen Sie sich Zeit, um mit Ihrem Kind über COVID-19 zu sprechen. Beantworten Sie Fragen und teilen Sie Fakten über COVID-19 auf eine Weise mit, die Ihr Kind verstehen kann.
  • Versichern Sie Ihrem Kind, dass es in Sicherheit ist. Lassen Sie es wissen, dass es in Ordnung ist, wenn es sich aufgeregt, angespannt und ängstlich fühlt. Teilen Sie ihm mit, wie Sie mit Ihrem eigenen Stress umgehen, so dass es von Ihnen lernen kann, mit Stress umzugehen.
  • Beschränken Sie den Nachrichtenfluss. Wenn Sie sich Nachrichten anschauen und die Kinder dabei sind, dann erklären Sie den Kindern die Nachrichten, damit sie es richtig einordnen und geben Sie den Kindern ein Gefühl, dass alles ok ist.
  • Versuchen Sie, mit den regelmäßigen Routinen Schritt zu halten. Wenn Schulen geschlossen sind, erstellen Sie einen Zeitplan für Lernaktivitäten und entspannende und angenehme Aktivitäten.
  • Sprechen Sie mit den Kindern über mögliche Veränderungen seit COVID-19, wie z.B. das Tragen von Gesichtsmasken, Hamsterkäufe (Toilettenpapier), Ausgangssperren etc.
  • Erlauben Sie den Kindern, Fragen zu stellen: Es ist ganz natürlich, dass Kinder Fragen und Sorgen über das Coronavirus haben. Ihnen den Raum zu geben, diese Fragen zu stellen und Antworten zu erhalten, ist eine gute Möglichkeit, die Angst zu lindern.
  • Jüngere Kinder verstehen vielleicht eine Karikatur oder ein Bild besser als eine Erklärung.
  • Wenn Sie auf eine Frage keine Antwort wissen, ist es in Ordnung, das ehrlich zu sagen. Im Moment gibt es Fragen zum Coronavirus, auf die wir keine Antworten haben. Es ist außerordentlich wichtig, dass Sie ehrlich und echt gegenüber den Kindern und Jugendlichen sind.
  • Vielleicht hat Ihr Kind auch eine Idee - lassen Sie sie Ihnen erzählen oder zeichnen.
  • Geben Sie praktische Anleitung: Erinnern Sie Ihr Kind an die wichtigsten Dinge, die es tun kann, um gesund zu bleiben, und motivieren Sie es, weiterzumachen, z.B. an ein Lied zu denken, das es singen möchte, während es sich die Hände wäscht.
  • Stellen Sie ein „Menü“ mit persönlichen Aktivitäten zur Selbsthilfe zusammen, die Ihnen und Ihren Kindern Spaß machen, z.B. Zeit mit Freunden und Familie verbringen, Sport treiben oder ein Buch lesen.

 

Auf der Website der Beauftragten der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration finden Sie gesammelte Hinweise aus der Bundesregierung in verschiedenen Sprachen. Die Informationen werden fortlaufend auch über Gesundheitsfragen hinausgehend aktualisiert und ergänzt.