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Zwischen Krisenmodus und Aufbruch: Dr. Michael Jakob über die Zukunft des Klimaschutzes

Können wir die Klimakrise noch abmildern – oder sind alle Bemühungen vergebens? Im Rahmen der Veranstaltungsreihe PERSPEKTIVE:N war Dr. Michael Jakob an der DHBW Villingen-Schwenningen zu Gast und stellte sein neues Buch „Gute Gründe für Klimaoptimismus: Warum es noch Hoffnung für den Klimaschutz gibt“ vor. Die Veranstaltung, die gemeinsam von der DHBW Villingen-Schwenningen und der Hochschule Furtwangen University (HFU) organisiert wurde, stieß auf großes Interesse. Neben zahlreichen Studierenden und Mitarbeitenden nahmen auch viele Bürger*innen aus der Region teil.

Begrüßt wurden die Gäste an diesem Abend von Prof.in Dr.in Barbara Schramkowski und Prof. Dr. Wolfgang Habla (beide Nachhaltigkeitsbeauftragte an der DHBW VS), Johanna Rolf (Innovations- und Forschungsmanagerin an der DHBW VS) sowie Maren Gernsheimer (Klimaschutzmanagerin der HFU).

Ein differenzierter Blick auf die Klimadebatte

In seinem Vortrag plädierte der Klimaökonom Dr. Jakob für einen differenzierten und faktenbasierten Blick auf die Klimakrise. Zwar seien die Herausforderungen erheblich, doch werde in der öffentlichen Debatte häufig übersehen, welche Fortschritte bereits erzielt wurden. Genau hier setzt sein Buch an: Es will die Aufmerksamkeit auf positive Entwicklungen lenken, ohne die Dringlichkeit des Klimaschutzes zu relativieren. Im Mittelpunkt steht die ökonomische Perspektive, dass Klimaschutz nicht nur eine Kostenfrage ist, sondern durch Innovation, politische Steuerung und gesellschaftliche Anpassung aktiv gestaltet werden kann. Jede fehlende Investition in den Klimaschutz ist schlussendlich teurer als die Klimaschutzmaßnahmen an sich.

Dabei beschäftigt die Frage, wie Klimaschutzmaßnahmen sozial gerecht und politisch umsetzbar gestaltet werden können – und welche realen Fortschritte bereits heute sichtbar sind: „Ich will nicht sagen, dass alles super läuft, sondern anschauen, was lief denn gut – und was können wir daraus lernen“, so Jakob.

Bereits erzielte Fortschritte im Klimaschutz

Dr. Jakob hob hervor, dass sich in den vergangenen Jahren weltweit bedeutende Entwicklungen abgezeichnet haben. Dazu zählen insbesondere der starke Ausbau erneuerbarer Energien, deren Kosten massiv gesunken sind, sowie Fortschritte bei Speichertechnologien und Elektromobilität. Auch politische Instrumente wie CO₂-Bepreisung und Emissionshandel hätten bereits konkrete Wirkung entfaltet.

Besonders betonte er die globale Dynamik der Energiewende: „Texas ist ja nicht gerade für Nachhaltigkeit bekannt, hat aber mittlerweile sogar Kalifornien bei Wind und Solar überholt.“ Pakistan habe große Summen in den Ausbau von Solaranlagen investiert und in Äthiopien werden keine Verbrenner-Fahrzeuge mehr zugelassen. Solche Beispiele zeigten, dass der Ausbau erneuerbarer Energien längst kein rein europäisches oder ideologisches Projekt mehr sei, sondern weltweit voranschreite.

Geopolitik, gesellschaftliche Spannungen und Klimapolitik

In der anschließenden Diskussion ging Jakob auch auf zentrale Risiken ein. Als eine der größten Gefahren sehe er geopolitische und innenpolitische Spannungen. Problematisch sei insbesondere eine zunehmende Polarisierung innerhalb von Gesellschaften: „Es ist ein Problem, wenn Leute gegen ihre eigenen ökonomischen Interessen und nicht mehr mit realen Kosten und Fakten arbeiten.“ Diese Entwicklung erschwere sachorientierte Klimapolitik und könne notwendige Transformationsprozesse bremsen.

„Es ist nicht zu spät“ – begründeter Optimismus

Trotz der Herausforderungen betonte Jakob ausdrücklich, dass es keinen Grund für Resignation gebe. Auf die Frage, ob es bereits „zu spät“ für wirksamen Klimaschutz sei, antwortete er klar: „Nein, es ist nicht zu spät. Jede Tonne CO₂, die wir einsparen, hilft und verringert die Wahrscheinlichkeit, dass Kipppunkte eintreten. Es lohnt sich immer.“

Zwar werde der Klimawandel unumkehrbare Veränderungen mit sich bringen, doch könne durch konsequentes Handeln das Ausmaß begrenzt werden. Eine vollständige Rückkehr zu früheren Zuständen sei nicht möglich, dennoch lasse sich das Eintreten deutlich dramatischer Szenarien verhindern.

Gleichzeitig machte Jakob deutlich, dass die Zivilgesellschaft keineswegs handlungsunfähig sei, selbst wenn der politische Rückhalt fehle. Vielmehr gebe es bereits heute zahlreiche technische, wirtschaftliche und politische Möglichkeiten, die konsequent genutzt werden müssten – und weltweit in der Bevölkerung ein hohes Bewusstsein für die Risiken, die durch fehlenden Klimaschutz entstehen.

Der Autor

Dr. Michael Jakob ist Klimaökonom und seit über 15 Jahren in Forschung, Beratung und Lehre im Bereich nachhaltiger Entwicklung tätig. Er promovierte in Umweltökonomie und verfügt über Abschlüsse in Physik, Volkswirtschaftslehre und Internationalen Beziehungen. Seine wissenschaftliche Arbeit führte ihn unter anderem an das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, das Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change sowie als Gastwissenschaftler an das MIT. Zudem berät er Regierungen und internationale Organisationen, ist an IPCC-Berichten beteiligt und lehrt regelmäßig an der Hertie School in Berlin. Das Buch „Gute Gründe für Klimaoptimismus: Warum es noch Hoffnung für den Klimaschutz gibt“ ist in der englischen Variante online frei verfügbar: https://link.springer.com/book/10.1007/978-3-031-93968-6

 

Prof. Dr. Wolfgang Habla (von links) Prof.in Dr.in Barbara Schramkowski, Dr. Michael Jakob, Johanna Rolf und Maren Gernsheimer (HFU). Foto: DHBW VS