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Warum Erinnerungskultur für die Soziale Arbeit wichtig ist

Für die Studierenden der DHBW Villingen-Schwenningen wurde die Exkursion zur Gedenkstätte des ehemaligen KZ Spaichingen zu einer besonderen und nachhaltigen Erfahrung. Im Rahmen des Moduls „Erziehung, Bildung und Sozialisation“ besuchte erstmals ein Kurs der DHBW gemeinsam mit Prof. Dr. Sebastian Hempel die Gedenkstätte. Im Mittelpunkt standen lebensgeschichtliche Perspektiven auf die NS-Zeit sowie die Frage, welche Bedeutung Erinnerungskultur und biografisches Verstehen für die Praxis Sozialer Arbeit heute haben.

Empfangen wurde die Gruppe am Freitagnachmittag von Regina Braungart, der Vorsitzenden des Gedenkstättenvereins Spaichingen und langjährig engagierten Ansprechpartnerin für die Erinnerungsarbeit vor Ort. In ihrem eindrucksvollen Vortrag berichtete sie über die vielfältigen Formen der Zwangsarbeit in der Region und griff zugleich ein zentrales Thema der Lehrveranstaltung auf: familienbiografische Perspektiven auf die Zeit des Nationalsozialismus. Die überlieferten Erinnerungen ehemaliger Häftlinge des KZ Spaichingen machten das Ausmaß des Geschehens eindrücklich deutlich. Ebenso wie die Auseinandersetzung mit transgenerationalen Folgen von Traumata, die auch nachfolgende Generationen prägen können.

Historische Dimension des Ortes

Im Anschluss führte ein gemeinsamer Spaziergang durch Spaichingen zur offiziellen Gedenkstätte sowie zu jenem Ort, an dem sich das Konzentrationslager damals befand. Obwohl heute kaum mehr Gebäude erhalten sind – eines in der Ortschaft war vermutlich früher eine der Baracken - wurde die historische Dimension des Ortes für die Studierenden auf eindrucksvolle Weise erfahrbar. Nach der Exkursion fand eine gemeinsame Reflexion statt, in der die vielfältigen Eindrücke und Erkenntnisse vertieft wurden.

Biografien sind wichtiger Bestandteil

Die reflexive Auseinandersetzung mit Biografien ist ein wichtiger Bestandteil im Studium der Sozialen Arbeit. Sie unterstützt angehende Fachkräfte dabei, Lebensgeschichten, Erfahrungen und individuelle Prägungen von Menschen besser zu verstehen und daraus angemessene pädagogische und soziale Handlungsperspektiven zu entwickeln. Darüber hinaus leistete der Besuch einen wichtigen Beitrag zur historischen Bildung der Studierenden – insbesondere in einer Zeit, in der gesellschaftliche und normative Verschiebungen eine bewusste Erinnerungskultur umso bedeutsamer machen.

Ein besonderer Dank gilt Regina Braungart für ihr großes ehrenamtliches Engagement, ihre Zeit und ihre beeindruckende Art, dieses anspruchsvolle Thema lebendig und zugleich sensibel zu vermitteln. Die Studierenden zeigten sich nicht nur von ihrem umfassenden Wissen beeindruckt, sondern auch von ihrer offenen und zugewandten Art. Die Exkursion war für alle Beteiligten eine wertvolle und nachhaltige Erfahrung.

Studierende der DHBW Villingen-Schwenningen besuchen gemeinsam mit Prof. Dr. Sebastian Hempel (links) die KZ-Gedenkstätte in Spaichingen. Foto: DHBW VS