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Traumatherapie im Flüchtlingscamp

Professor Dr. Dr. Kizilhan berichtet in nano-Beitrag über seine Arbeit im Nordirak

In den Flüchtlings-Camps im Nordirak leben hunderttausende Flüchtlinge; viele von ihnen schon seit Jahren. Sie sind vor dem Bürgerkrieg in Syrien und dem Islamischen Staat (IS) geflohen, haben Familienmitglieder verloren, Verbrechen gesehen und Gewalttaten erlebt. Professor Jan Ilhan Kizilhan, Leiter des Instituts für Transkulturelle Gesundheitsforschung an der DHBW Villingen-Schwenningen und Gründungsdekan des Institute's for Psychotherapy and Psychotraumatology an der Universität Dohuk im Nordirak, hilft ihnen, ihre traumatischen Erlebnisse zu verarbeiten.

Der Experte für Psychotraumatologie und transkulturelle Psychiatrie bildet am Institute for Psychotherapy and Psychotraumatology angehende Therapeut*innen aus, die nach Beendigung ihrer Ausbildung traumatisierte Personen betreuen werden. Die kulturellen Unterschiede zu beachten, sei eine Voraussetzung dafür, dass psychotherapeutische Behandlungen wirksam und die Methoden im irakischen Gesundheitssystem verankert werden. „Wir müssen in der Lage sein, ihnen das Knowhow zu vermitteln und zwar kultursensitiv, das heißt, unsere westliche Vorstellung von Gesundheit und Krankheit, unsere medizinischen und therapeutischen Techniken an kulturelle Gegebenheiten und Erfordernisse anpassen“ so Kizilhan in der Fernsehsendung „nano: Die Welt von morgen“.

Für viele ist der therapeutische Ansatz in der Region neu. „Sie gehen eher zu einem Psychiater oder Arzt und erwarten ein Medikament, das ihnen helfen soll. Am Institute for Psychotherapy and Psychotraumatology sind wir allerdings überzeugt davon, dass es wichtig ist, über traumatische Erlebnisse und Erfahrungen zu sprechen. Mit verschiedenen Techniken können wir Betroffenen so helfen, ihre Symptome zu reduzieren“, so der Therapeut.

Trauer, Verbitterung und Wut sind Gefühlszustände, die Geflüchtete mit traumatischen Erlebnissen häufig beschreiben. Damit umzugehen ist schwierig, besonders unter anhaltenden schwierigen Bedingungen. Die therapeutische Arbeit wird durch die Tabuisierung sexueller Gewalt und Missbrauchs zusätzlich erschwert.

Langfristig soll mit dem Institut und der Qualifizierung von Fachkräften im Irak eine verbesserte Versorgung traumatisierter Geflüchteter in Kliniken, Betreuungseinrichtungen und in den Camps des Landes erreicht werden.

Die Fernsehsendung „nano: Die Welt von morgen“ berichtet täglich kurz und verständlich zu Themen aus Technik, Medizin, Wissenschaft und Forschung. Der Beitrag vom 20. August 2019 ist bis zum 20. August 2024 u.a. auf der Website der Fernsehsender 3sat und ZDF zu sehen.

Gefördert wird das Projekt durch das Auswärtige Amt der Bundesrepublik Deutschland, aus Mitteln des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst des Landes Baden-Württemberg, über das Staatsministerium Baden-Württemberg und den Deutschen Akademischen Austauschdienst.

Prof. Dr. Dr. Jan Ilhan Kizilhan während eines Vortrags in Villingen-Schwenningen