Neue Professor*innen geben Einblicke in ihre Forschungsschwerpunkte
Antrittsvorlesungen sind eine besondere akademische Tradition. Mit ihnen stellen sich neu berufene Professor*innen der Hochschulöffentlichkeit vor und geben Einblicke in ihre Forschungs- und Lehrschwerpunkte. Zugleich zeigen sie auf, welche Themen ihre wissenschaftliche Arbeit prägen und welche Perspektiven sie künftig in Forschung, Lehre und Wissenstransfer an der DHBW einbringen möchten.
Die Veranstaltungen bieten Studierenden, Kolleginnen sowie externen Gästen die Gelegenheit, die neuen Professorinnen persönlich kennenzulernen und mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Gleichzeitig fördern sie den wissenschaftlichen Austausch und die Vernetzung innerhalb der Hochschule sowie mit Partnerinnen und Partnern aus Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft – ganz im Sinne einer lebendigen akademischen Kultur.
Im Rahmen der diesjährigen Antrittsvorlesungen gaben Prof. Dr. Florian Spissinger und Prof. Dr. Vera Angelova spannende Einblicke in ihre Fachgebiete. Beide sind seit 2025 an der DHBW Villingen-Schwenningen. Moderiert wurde der Nachmittag von Prorektor und Dekan der Fakultät Wirtschaft Prof. Dr. Gert Heinrich. Unter dem Titel „Soziale Arbeit in Krisenzeiten“ beleuchtete Prof. Dr. Florian Spissinger aktuelle Herausforderungen und Perspektiven der Sozialen Arbeit. Prof. Dr. Vera Angelova widmete sich in ihrem Vortrag „Einen oder viele belügen? Wie die Folgen für andere unser Verhalten beeinflussen.“ der Frage, welche Rolle die Auswirkungen des eigenen Handelns auf andere für moralische Entscheidungen spielen. Beide Vorträge zeigten eindrucksvoll die Vielfalt der wissenschaftlichen Themen an der DHBW Villingen-Schwenningen und luden dazu ein, aktuelle Forschungsfragen aus unterschiedlichen Perspektiven kennenzulernen und zu diskutieren. „Es ist toll, beide Fakultäten im fachlichen Austausch vernetzt zu sehen“, so Prof. Dr. Gert Heinrich.
Prof. Dr. Florian Spissinger: Soziale Arbeit steht vor grundlegenden Fragen
„Er ist eine Bereicherung für unsere Fakultät. Wir schätzen seine Expertise und sein Wissen“, sagte Prof. Dr. Martina Wanner, Prorektorin und Dekanin für den Bereich Sozialwesen bei der Vorstellung von Prof. Dr. Florian Spissinger. Sein Vortrag richtete dann den Blick auf drei zentrale gesellschaftliche Herausforderungen: Wohnungslosigkeit, die Klimakrise und die Normalisierung der extremen Rechten. Im Mittelpunkt stand dabei die Frage, wie sich diese Entwicklungen auf das professionelle Handeln der Sozialen Arbeit auswirken. Soziale Arbeit, betonte Spissinger, habe nicht nur die Aufgabe, die Folgen gesellschaftlicher Krisen abzufedern, sondern verstehe sich zugleich als gesellschaftliche Mitgestalterin. Angesichts einer „Polykrise“, in der verschiedene Krisen ineinandergreifen und sich gegenseitig verstärken können, stehe die Profession vor grundlegenden Fragen nach ihrer Rolle und Identität. Seine These: Die kritische und reflexive Auseinandersetzung mit diesen gesellschaftlichen Herausforderungen trägt dazu bei, das professionelle Selbstverständnis der Sozialen Arbeit weiter zu schärfen.
Prof. Dr. Vera Angelova: So komplex sind Entscheidungsprozesse im Alltag
Prof. Dr. Vera Angelova widmete sich der Frage, warum Menschen Entscheidungen treffen, wie sie es tun – insbesondere dann, wenn das eigene Handeln Auswirkungen auf andere hat. Die Verhaltensökonomin untersuchte dabei menschliches Entscheidungsverhalten am Beispiel des Lügens: Welche Rolle spielt es, ob eine einzelne Person oder eine Gruppe von einer Täuschung betroffen ist? Ihre Forschung zeigt, dass Menschen eher dazu bereit sind, einzelne Personen anzulügen als Gruppen. Eine wichtige Rolle spielt dabei der Schaden, der dem Einzelnen oder der Gruppe zugefügt wird. Die Ergebnisse ihrer Arbeit verdeutlichen zugleich , dass moralische Entscheidungen nicht allein durch rationale Abwägungen bestimmt werden, sondern auch durch soziale Wahrnehmung und die Beziehung zu den Betroffenen geprägt sind. Damit widersprechen die Forschungsergebnisse auch der verbreiteten Annahme, dass Gruppen grundsätzlich häufiger getäuscht werden als Einzelpersonen Mit ihrer Forschung gab Angelova spannende Einblicke in die Mechanismen menschlichen Verhaltens und zeigte, wie komplex Entscheidungsprozesse im Alltag tatsächlich sind.
Prof. Dr. Vera Angelova
Prof. Dr. Vera Angelova ist Professorin für Volkswirtschaftslehre an der DHBW Villingen-Schwenningen. Sie studierte Volkswirtschaftslehre an der Humboldt-Universität zu Berlin und der University of Western Ontario in Kanada. Ihre Promotion zum Dr. rer. pol. absolvierte sie 2010 an der Friedrich-Schiller-Universität Jena, während sie am Max-Planck-Institut für Ökonomik in Jena als wissenschaftliche Mitarbeiterin tätig war. Für ihre herausragenden Leistungen während der Promotion zeichnete sie die Max-Planck-Gesellschaft mit der Otto-Hahn-Medaille aus. Anschließend arbeitete sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Fachgebiet für Mikroökonomie der Technischen Universität Berlin und als Vertretungsprofessorin für Mikroökonomie an der Freien Universität Berlin.
Prof. Dr. Florian Spissinger
Prof. Dr. Florian Spissinger ist Professor für Soziale Arbeit – Theorien und Methoden Sozialer Arbeit an der DHBW Villingen-Schwenningen. Er studierte zunächst Soziale Arbeit an der DHBW Stuttgart und später Politikwissenschaft an der Universität Leipzig. Dort promovierte er 2023 zum Dr. rer. pol. mit einer Arbeit über die „Gefühlsgemeinschaft der AfD. Narrative, Praktiken und Räume zum Wohlfühlen“. Die Arbeit wurde mit dem Dissertationspreis des Verlags Barbara Budrich (promotion 2023) ausgezeichnet und war für den Deutschen Studienpreis 2024 der Körber-Stiftung nominiert.