News

Internationale Vernetzung in Zeiten der Corona-Pandemie

Die Internationalisierung der Hochschule wird vom International Office der DHBW Villingen-Schwenningen begleitet. Das Team unterhält Verbindungen zu Hochschulen und Universitäten weltweit und koordiniert den internationalen Austausch für Studierende und Lehrende. Normalerweise begrüßt die DHBW Villingen-Schwenningen zwei Mal im Jahr Studierende aus dem Ausland (Incomings) hier am Standort in Schwenningen. Sie absolvieren in einem 4-monatigen Aufenthalt einen Teil ihres Studiums, sammeln Erfahrungen, erweitern ihre Sprachkenntnisse und Softskills und lernen unsere Hochschule kennen. Umgekehrt bietet die DHBW gemeinsam mit dem International Office DHBW-Studierenden die Möglichkeit, Erfahrungen im Ausland zu sammeln und eine Theorie- oder eine Praxisphase bei einem der zahlreichen Kooperationspartnern zu verbringen.

Im März begrüßten Claudia Rzepka und Angela Brusis 22 Studierenden aus 10 Ländern, darunter Kolumbien, Mexiko, Ruanda und Jordanien. Zu diesem Zeitpunkt hielten sich auch 50 Studierende der DHBW Villingen-Schwenningen studienbezogen im Ausland auf.

Im Gespräch berichtet Claudia Rzepka über die zum Teil erschwerte und verzögerte Rückkehr einiger Studierender und wie das International Office die Incomings während dieser Zeit begleitete.

Redaktion: Anfang des Jahres 2020 konnte noch niemand voraussehen, was auf uns zukommen wird. Wie haben Sie den Beginn der Corona-Pandemie wahrgenommen?

Rzepka: Zunächst schien sich die Ausbreitung auf China und Asien zu begrenzen. Wir hatten im Januar noch keine Vorstellung davon, wie rasant sich das Virus ausbreiten würde und vor allem dachten wir nicht, dass Europa so stark davon betroffen sein wird. So reisten unsere internationalen Studierenden Ende Februar nach Schwenningen, da unsere Einführungswoche am 4. März startete. Dann überschlugen sich die Ereignisse und bereits eine Woche später am 12. März mussten wir die Studierenden mitten aus einer Vorlesung heraus nach Hause schicken. Nach Hause bedeutete zunächst ihre Wohnungen in Schwenningen, aber wir haben es allen Studierenden freigestellt, in ihre Heimatländer zurück zu reisen und das Semester online weiterzuführen. Innerhalb einer Woche haben wir dann ein neues Programm mit Online-Vorlesungen auf die Beine gestellt und sind alle ins Home-Office gegangen. Einige Studierende sind im März heimgereist, aber 16 Studierende blieben. Wie diese Gruppe mit der schwierigen Situation zurechtkam, wie dankbar sie für das Studienangebot und die Betreuung war, das war schon sehr beeindruckend. Sie waren vor Kurzem angekommen, haben sich gerade erst kennen gelernt und kannten außer uns im International Office niemanden.

Redaktion: Wie konnten Sie Kontakt zu den Studierenden aus dem Ausland halten und welche Rolle spielte dieser aus Ihrer Sicht für die Studierenden aus dem Ausland?

Rzepka: Es war sehr wichtig für die Studierenden, dass wir kontinuierlich mit ihnen in Kontakt waren. Sie konnten uns telefonisch, per E-Mail und über WhatsApp erreichen. Wir haben regelmäßig Videokonferenzen durchgeführt. Das wurde sehr gut angenommen und wir konnten auf diesem Weg die Studierenden sehen und ihre Fragen beantworten. Dieses Vorgehen konnte viele Unsicherheiten und Ängste nehmen. Wir haben über das Studium, die Kurse und Prüfungen informiert, aber auch über den Alltag gesprochen und die jeweils gültigen Einschränkungen erklärt. Die Studierenden verhielten sich vorbildlich, haben sich an die Vorgaben wie Kontaktbeschränkungen und Maskenpflicht gehalten. Normalerweise erkunden unsere internationalen Studierenden ganz Deutschland und viele Städte in Europa. Diesmal waren sie im Schwenninger Moos unterwegs oder haben sich Villingen angeschaut. Die Studierenden haben uns auch erzählt, dass sie die Menschen in Schwenningen sehr freundlich und hilfsbereit erlebt haben. Das hat uns sehr gefreut.

Zu unseren Studierenden im Ausland haben wir Mitte März Kontakt aufgenommen und sie individuell unterstützt, z.B. den Kontakt zur Botschaft vermittelt und Infos vom Auswärtigen Amt weitergeleitet. Wir haben per E-Mail oder auch telefonisch Kontakt gehalten, zum Teil auch mit den Eltern der Studierenden. Viele Studierende aus der Fakultät Sozialwesen verbringen im ersten Quartal ein Praktikum im Ausland, häufig in afrikanischen Ländern, in Lateinamerika oder Südostasien. Zum Glück waren sie bereits seit Januar in ihren Einsatzorten und kannten sich gut aus. Die jeweiligen Studiengangleitungen haben sich dann sehr intensiv um die Studierenden gekümmert und waren auch abends und am Wochenende für die Studierenden erreichbar.

Redaktion: Zu welchem Zeitpunkt war klar, dass der Auslandsaufenthalt abgebrochen werden sollte und wie schnell gelang es den Studierenden zurück nach Deutschland zu reisen?

Rzepka: Das Rektorat hat sich sehr schnell mit uns im International Office dazu abgestimmt. Mitte März haben wir den Studierenden dringend empfohlen, aus ihrem Auslandssemester zurück zu kommen, da wir nicht wussten wie sich die Situation weiterentwickeln wird und sich das Risiko sich erhöhte, dass sie zu einem späteren Zeitpunkt nicht mehr ausreisen können. Die meisten Studierenden haben sich sehr schnell dazu entschlossen zurück zu kehren. Aus Madrid sind unsere Studierenden gerade noch vor der Grenzschließung ausgereist. Aus England musste eine Studentin von ihren Eltern abgeholt werden, da kein Flug mehr zu bekommen war. Es war also selbst in Europa nicht so einfach zurück nach Deutschland zu gelangen. Sorgen haben wir uns aber insbesondere um die Studierenden in Afrika gemacht, die Flüge umbuchen mussten und zum Teil auf die Rückholaktion des Auswärtigen Amtes angewiesen waren.

Redaktion: Was waren häufige Probleme?

Rzepka: Der Abbruch des Auslandsaufenthalts war unterschiedlich gravierend für die Studierenden. Für manche Studierende sollte der Aufenthalt Ende März beendet sein. Sie mussten nur um wenige Tage oder Wochen verkürzen. Für manche Studierende hatte der Aufenthalt aber gerade erst begonnen. Es war sicher eine schwierige Entscheidung für die Studierenden, das Semester abzubrechen. Hinzu kam, dass auch an den Partnerhochschulen der Lehrbetrieb eingestellt bzw. auf Onlinelehre umgestellt wurde und Praktika nicht mehr stattfinden konnten. Eine Auslandserfahrung wie man sie erwartet hatte, war also nicht mehr möglich gewesen. Am langwierigsten war es tatsächlich, aus Australien und Neuseeland zurück zu kommen. Hier mussten die Studierenden auf die Rückholaktion des Auswärtigen Amtes warten. Wir wussten aber die Studierenden in diesen Ländern gut versorgt. Besonders schwierig war die Rückreise aus Afrika, insbesondere Namibia, Kenia oder Südafrika. Es war sehr gut, dass neben dem International Office die Studiengangleitungen mit den Studierenden in Kontakt standen und wir immer wussten wie es den Studierenden geht.

Redaktion: Wann konnte auch der letzte Student aus dem Ausland heimkehren?

Rzepka: Bis Ende April waren dann alle Studierenden zurück in Deutschland.

Redaktion: Wie eingangs erwähnt, studierten zwischen März und Juni 2020 Incomings auch hier an der Hochschule. Wie gelang es dem International Office diese Studierende in dieser Ausnahmesituation zu begleiten und wie gestaltete sich die Heimreise für diese Studierende?

Rzepka: Wie bereits erwähnt sind sechs Studierende im März noch heimgereist. Sie konnten ihre Flüge umbuchen. Wir haben das Semester dann online mit 16 Studierenden weitergeführt. Es war eine ungewöhnliche Situation. Normalerweise sehen wir die Studierenden täglich, haben die Möglichkeit, ihnen direkt Informationen zu geben oder Fragen zu beantworten. Nun waren wir im Home-Office und die Studierenden in ihren Unterkünften. Je nachdem, ob sie alleine oder in einer WG lebten, waren sie auf den Kontakt zu uns angewiesen. Mit den Videokonferenzen hat es erstaunlich gut geklappt, in Kontakt zu bleiben. Nach dem Semester sind die Studierenden dann nach und nach im Juli in die Heimat zurückgereist. Für unseren Studierenden aus Ruanda hat es sich aber bis in den August hineingezogen, da eine Einreise nicht möglich war. Wir mussten auch mehrmals Flüge umbuchen, da zahlreiche Flüge storniert wurden.  Er (gemeint ist der Student aus Ruanda) erfuhr noch am Flughafen, dass der Flug nach Kigali nicht stattfinden könne. Er musste dann über Nairobi einen Ersatzflug nehmen und kam erst nach vier Tagen in seiner Heimat an.

Ich denke, wir haben alle viel gelernt in dieser schwierigen Zeit. Wie die Studierenden aus dem Ausland und unsere Studierenden im Ausland die Situation gemeistert haben, hat großen Respekt verdient. Der Zusammenhalt und Umgang miteinander in dieser Krise war eine wertvolle Erfahrung.

Redaktion: Derzeit befinden sich keine Incomings mehr am Standort und die DHWB Villingen-Schwenningen wird bis voraussichtlich Mitte 2021 keine Studierenden in der Theoriephase ins Ausland entsenden können. Sind Alternativen geplant?

Rzepka: Wir haben bereits für den Herbst einige Online-Kurse für die internationalen Studierenden im Angebot, da eine Rückkehr zur Normalität derzeit nicht abzusehen ist und wir mit Online-Formaten die Zeit dennoch nutzen möchten. Wir sind uns in der Hochschule jedoch einig, dass Auslandsaufenthalte prinzipiell ein wichtiges Element des Studiums darstellen.

Redaktion: Vielen Dank für das Gespräch Frau Rzepka.

 

Erfahrungsbericht

Es folgt ein Erfahrungsbericht von Lokii Lokwaar Eliah Nachebei. Er ist einer der Incomings 2019 und berichtet über seine Erfahrungen hier am Campus.

 

„Coming to Germany has always been my dream. This is because in my youth I had many German friends in my country and they used to tell me about Germany.  I also studied more about it in my history class, about its colonies in Africa and its involvement in the 2 World Wars.

But the reality of coming to Germany from an African context is very difficult and most everyone needs a scholarship in order to study. I did not know that one day my dream to study in and see Germany would ever come true. When I moved to Rwanda from South Sudan in 2017 for my Bachelor’s course, I was told that there is a scholarship for Germany for those who work hard in their first academic year. This news motivated me to work hard in my studies. Last year October, I found out that I was successful in my home University selection after a very competitive interview and I was then instructed to do the online application through BWS-World.

The application was not hard because the instructions were very clear. It took me 2 days to upload all the necessary documents to the website. Because of the excitement I sometimes could not sleep at night as all my thoughts were focused on coming to Germany. However, the obstacle was that the five applicants were to go through an online interview with Ms. Angela [Brusis] from the International office. I was nervous because I did not know whether I would pass the interview. After the interview, it took about a month for the results to arrive and I was very happy that I passed the interview.

Mr. Leonidas who is the contact person for the program in my home University always helped me in case I wanted to know anything. He also helped me with visa application in the German Embassy in Rwanda. My University also helped me with recommendation letters and other documents that were required for the visa process. For the personal preparations, I was always in contact with former scholarship recipients and asked them about life in Germany of which they really told me a lot.

After moving to Germany on March 4th 2020, I was participated in the orientation seminar at the International office. Further, I had a consultation on the course selection that I made during my application in Rwanda. I was fine with all of them, but I added another course “Leadership” that I was interested in and which I really enjoyed.

The one German study system that I never had in my home University is the “Moodle” platform. I found it really effective and easy to use because it is a platform to interact with, and get updates, from lecturers and fellow students. I also found it very organized and was impressed when the international office published the whole semester schedule on Moodle. This was important in order to plan well what to do the following days.

I had the privilege to attend physical lecturers at the University before it closed due to the COVID-19 outbreak. The whole system changed as online studies were introduced. At first it was very new and difficult to follow but with time, I was used to it and it became very easy to follow.

It was towards the end of winter that I came to Germany, and we did a lot of leisure activities with the classmates. It was interesting and fun when we went to the Irish pub and dancing hall in my first week in Villingen-Schwenningen. We all connected easily with our fellow students before the Corona virus lockdown was introduced. We also organized meals together. In April, May and June, when restrictions were lifted, I managed to travel to places including some small lakes, and some beautiful cities like Karlsruhe, Freiburg, the amusement park “Europapark”, Aldingen, Rottweil and Villingen.

I also was impressed with the International Office.  They always updated us on the current measures due to the Corona Pandemic and told us what we should do and what we should not do. I felt they really did their best and we always felt at peace because they were always there to support us. I can say that studying here in Germany is really different from studying in Rwanda. One big difference that I saw is that, here, every week, different courses are offered, while in my University in Rwanda, the schedule is the same every week until the courses are completed.

The second difference is that lecturers here are so punctual and always keep time which is contrary to my home University.

I can testify that I have experienced a lot here in Germany. Coming from a third world country, Germany is an amusement and a perfect country in terms of its Development. The road system is perfect, with good highways.

I had never used a train in my life and the first time was here in Germany. It is very comfortable and punctual.

The worry I had before I came here was if I would experience racism but everyone was so friendly. When I walked on the streets, people always greeted me, which was a kind gesture. I also met many German people. I was invited on Easter for lunch in one German family, and I ate new and unusual foods and I love the German bread. I also drank many German beers that were very good. I enjoyed every one of them. One thing that I realized here is that, there is no monopoly of a product in the market, there are several substitutes for every product.

Building networks with the other scholarships recipients empowered me. I made good friends with my colleagues. Sometimes we played football together, shared stories about our lives and our countries. Furthermore, we have a WhatsApp group with all the colleagues. Through this bond, I have even decided at least to go and visit Mexico because of the Mexicans friends that I met through this scholarship.

I will recommend the next scholarship holders to visit the Schwenninger Moos. This is one of the best places in Schwenningen. Secondly, I will recommend them to visit the Europa Park. I loved everything that I saw there. I called it a small heaven. Though it was the first time that I used a roller coaster, it was very scary in the beginning but later I found it fun. Last, I would recommend them to visit Rottweil. This is the oldest city in Baden-Wuerttemberg and it is very beautiful. They could also go and see the Thyssen-Krupp elevator test-tower, which is incredible.

Finally, I would like to thank the Baden-Wuerttemberg Stiftung for creating this program. Though it was a very bad moment due to the Corona Virus outbreak, I was very much satisfied with the studies here. Because all the courses that I was supposed to undertake were completed, on a scale of 10, I would rate my satisfaction as 8/10. The remaining 2 points is that I did not get that much time to interact and study with my colleagues. I was very impressed by how the staff at the International Office worked tirelessly to ensure that the program could be completed successfully. They gave all their effort. They always replied to mails in time and updated us on whatever was happening or what needed to be done.  Coming to study here is my biggest academic achievement and it is going to open a lot of opportunities for me in my carrier. I am sure I am now very competitive and I will easily secure a good job in my country whenever I apply for one. The courses that were offered were very much relevant to my carrier and it has built for me a very strong foundation for my profession and my future endeavors.“

Lokii Lokwaar Eliah Nachebei

Bild: Porapak Apichodilok (Pexels).