Bereits zum zweiten Mal hat der Studiengang Jugend-, Familien- und Sozialhilfe an der DHBW Villingen-Schwenningen einen kursübergreifenden internen Fachtag veranstaltet. Unter dem Titel „Inklusiver Kinderschutz als Zukunftsaufgabe der inklusiven Kinder- und Jugendhilfe“ widmete sich die Veranstaltung zentralen fachlichen Fragestellungen rund um den Schutz von Kindern und Jugendlichen mit Behinderungen. Ziel war es, Studierende für die besonderen Herausforderungen im inklusiven Kinderschutz zu sensibilisieren und ihre fachliche Handlungskompetenz zu stärken.
Der Fachtag richtete sich an alle Studierenden des Studiengangs und wurde von mehreren Kolleg*innen der Fakultät inhaltlich gestaltet. Ergänzend waren die Dualen Partner eingeladen, sich am Vormittag online zu beteiligen, um den fachlichen Austausch zwischen Hochschule und Praxis weiter zu vertiefen.
Unterschiedliche Perspektiven auf inklusiven Kinderschutz
In den einführenden Fachvorträgen wurden unterschiedliche Perspektiven auf inklusiven Kinderschutz beleuchtet. Prof.in Dr.in Rahel Gugel thematisierte menschenrechtliche Grundlagen, internationale Verpflichtungen sowie rechtliche Rahmenbedingungen des Kinderschutzes und verdeutlichte die Bedeutung eines rechtsbasierten Verständnisses von Inklusion. Prof. Dr. Frank Francesco Birk stellte die Lebenslagen von Kindern und Jugendlichen mit Behinderungen in den Mittelpunkt und ordnete diese in die aktuelle Debatte um die sogenannte „Große Lösung“ ein, also die Zusammenführung von Jugendhilfe und Eingliederungshilfe.
Einen vertiefenden Blick auf den betroffenen Personenkreis bot Milena Buhl, die Prävalenzen und Risikofaktoren von Kindern und Jugendlichen mit Behinderungen darstellte und deren besondere Relevanz für einen inklusiven Kinderschutz herausarbeitete. Dabei wurde deutlich, dass Kinder mit Behinderungen in besonderem Maße vulnerabel sind und im Kinderschutz häufig nicht ausreichend berücksichtigt werden. Wie Prof. Dr. Andreas Gut betonte, sei inklusiver Kinderschutz keineswegs selbstverständlich: „Leider ist es nicht so, dass wir alle inklusiv denken und handeln.“ Umso wichtiger sei es, Fachkräfte für die spezifischen Lebenslagen, rechtlichen Grundlagen und Schutzbedarfe dieser Kinder zu sensibilisieren.
Ein weiterer inhaltlicher Schwerpunkt lag auf aktuellen strukturellen Entwicklungen der inklusiven Kinder- und Jugendhilfe. Diskutiert wurde der Drei-Stufen-Plan zur Umsetzung einer inklusiven Lösung – von der verbindlichen inklusiven Kinder- und Jugendhilfe über die Einführung von Verfahrenslotsen bis hin zur vollständigen Zuständigkeit der Jugendämter für alle Kinder. Prof. Dr. Frank Francesco Birk machte deutlich, dass Deutschland bei der Gestaltung eines inklusiven Systems weiterhin hinterherhinkt und Menschen mit Behinderungen in vielen gesellschaftlichen Bereichen übersehen werden. Angesichts von rund 7,9 Millionen Menschen mit schweren Behinderungen in Deutschland unterstreiche dies die Dringlichkeit eines inklusiven Umbaus der Systeme.
Praxisorientierte Workshops
Am Nachmittag wurden die Inhalte in praxisorientierten Workshops vertieft. Prof. Dr. Frank Francesco Birk setzte sich mit den Herausforderungen des Kinderschutzes auseinander, wenn Rechtsextremismus und Ableismus zusammentreffen. Prof.in Dr.in Sandra Mirbek eröffnete mit dem Workshop Kinderpsychodrama kreative und handlungsorientierte Zugänge zur Arbeit mit Kindern. Prof. Dr. Andreas Gut thematisierte den Kinderschutz von Kindern mit Behinderungen in Pflegefamilien, während Milena Buhl im Workshop „Inklusiver Kinderschutz in der Praxis?!“ Raum für Diskussion, Erfahrungsaustausch und Reflexion bot.
Der Fachtag machte insgesamt deutlich: Inklusiver Kinderschutz ist eine zentrale Zukunftsaufgabe. Er erfordert sowohl strukturelle und rechtliche Veränderungen als auch eine professionelle Haltung, die Kinder mit Behinderungen konsequent mitdenkt und ihre besonderen Schutzbedarfe ernst nimmt. Mit der Veranstaltung leistete die DHBW Villingen-Schwenningen einen wichtigen Beitrag zur Qualifizierung angehender Fachkräfte und zur Stärkung des Dialogs zwischen Hochschule und Praxis.