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DHBW Sustainability Research Award: Klimaschutz als Zukunftsaufgabe der Sozialen Arbeit

Mit ihrem Forschungsprojekt „Best Practice Klimaschutz im Sozialsektor“ nahm Prof.in Dr.in Barbara Schramkowski am erstmals ausgeschriebenen DHBW Sustainability Research Award teil, der im Rahmen des DHBW Forschungstags 2026 verliehen wurde. Mit ihrer Forschung zur nachhaltigen Transformation in der Kinder- und Jugendhilfe erreichte sie den zweiten Platz. Was bedeutet ihr die Auszeichnung, was sind die wichtigsten Erkenntnisse ihres Projekts und warum ist Klimaschutz gerade für die Soziale Arbeit eine zentrale Zukunftsaufgabe?

Was bedeutet Ihnen die Auszeichnung persönlich?

Die Auszeichnung sei weit mehr als eine persönliche Ehrung, so Schramkowski. „Ich sehe die Auszeichnung auch als eine Anerkennung für mein Engagement für Klimaschutz und Klimagerechtigkeit, das seit einigen Jahren sehr viel Zeit in meinem Leben einnimmt“, sagt Prof.in Dr.in Barbara Schramkowski.

Ihr Engagement reicht weit über die Hochschule hinaus. Zivilgesellschaftlich setzt sie sich in Freiburg, ihrem Wohnort, insbesondere für die Mobilitätswende und aktuell für Maßnahmen zur Klimaanpassung ein. Fachpolitisch begleitet sie unter anderem den Deutschen Kinderschutz bei der Entwicklung eines Nachhaltigkeitskonzepts unter dem Leitgedanken „Klimaschutz ist Kinderschutz“.

Auch in der Wissenschaft treibt sie das Thema voran. Als Mitbegründerin der Fachgruppe „Klimagerechtigkeit und sozialökologische Transformation“ der Deutschen Gesellschaft für Soziale Arbeit engagiert sie sich als eine der Sprecherinnen dafür, Klimaschutz stärker in der Sozialen Arbeit zu verankern. Darüber hinaus publiziert sie zu diesem Themenfeld, hält Vorträge und setzt sich als Nachhaltigkeitsbeauftragte der DHBW Villingen-Schwenningen gemeinsam mit Prof. Dr. Wolfgang Habla für mehr Nachhaltigkeit an der Hochschule ein.

Dass ihr Engagement auch ihren Alltag prägt, zeigt sich in ihrem persönlichen Lebensstil: Sie besitzt kein Auto, reist privat wie beruflich ausschließlich mit der Bahn und lebt vegan.

Was war aus Ihrer Sicht die wichtigste Erkenntnis aus dem Projekt?

Im Mittelpunkt des Forschungsprojekts standen qualitative Interviews mit insgesamt 16 Einrichtungs- und Fachbereichsleitungen aus neun Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe. Die ausgewählten Einrichtungen galten bereits als Vorreiter bei der Umsetzung von Klima- und Umweltschutz und hatten innovative Konzepte sowie nachhaltige Praktiken entwickelt.

Für Barbara Schramkowski liegt die wichtigste Erkenntnis des Projekts in der Haltung der verantwortlichen Führungskräfte. Entscheidend sei nicht allein fachliches Wissen, sondern eine sogenannte transformative Haltung – also die Fähigkeit und Bereitschaft, gesellschaftliche Veränderungen aktiv zu gestalten.

Die Interviewpartner*innen verfügten über klare Visionen einer nachhaltigen und kindgerechten Zukunft, fundiertes Wissen über die Risiken der Klimakrise und die Chancen von Klimaschutz. Sie hatten sich zudem mit ihren sogenannten Klimagefühlen – etwa Angst oder Ohnmacht – auseinandergesetzt und sich bewusst für aktives Handeln statt Verdrängung entschieden. Anstatt Gründe zu suchen, warum Veränderungen nicht möglich seien, hätten sie nach Wegen gesucht, diese umzusetzen – auch dann, wenn sie zunächst auf Widerstände stießen.

Ein Satz aus den Interviews bringt diese Haltung für Schramkowski besonders treffend auf den Punkt: „Einfach machen. Das ist der gute Tipp, einem oder einer Einrichtungsleiter*in zu sagen: Einfach machen. Also jetzt zum Thema Fleisch. Einfach nicht so viel thematisieren.“

Gleichzeitig hätten alle Interviewpartner*innen ein Bewusstsein dafür entwickelt, dass Transformationsprozesse zusätzliche Energie erfordern. Dennoch seien sie überzeugt gewesen, dass Erwachsene aus Verantwortung gegenüber kommenden Generationen verpflichtet seien, sich für Klimaschutz einzusetzen.

Auch die Resonanz auf ihre Vorträge habe eine wichtige Erkenntnis hervorgebracht. „Der Fokus auf gute Praxisbeispiele motiviert Menschen zu handeln und weckt Lust auf Transformation, weil die Vorteile sichtbar werden. Das Thema wird dann nicht mehr vor allem als scheinbarer Verzicht wahrgenommen“, erklärt Prof.in Dr.in Barbara Schramkowski.

Warum ist das Thema Klimaschutz gerade für soziale Einrichtungen so wichtig?

Für Prof.in Dr.in Barbara Schramkowski ist Klimaschutz in der Sozialen Arbeit untrennbar mit sozialer Gerechtigkeit verbunden. Menschen mit psychischen Erkrankungen, Behinderungen, chronischen Erkrankungen oder in Armut lebende Menschen seien von den Folgen der Klimakrise besonders stark betroffen und verfügten häufig über weniger Möglichkeiten, sich vor Extremwetterereignissen wie Hitzewellen zu schützen.

Wie groß die Herausforderungen inzwischen sind, zeigen auch aktuelle Ergebnisse des Paritätischen Gesamtverbands. Eine bundesweite Umfrage unter mehr als 2.800 sozialen Einrichtungen macht deutlich, dass viele Einrichtungen während der Hitzewelle Ende Juni an ihre Belastungsgrenzen gelangten. Angebote konnten vielfach nur mit erheblichem personellem Aufwand und gesundheitlichen Risiken aufrechterhalten werden. Ohne bauliche Maßnahmen reichen Hitzeschutzkonzepte zunehmend nicht mehr aus.

Auch Studierende berichteten Prof.in Dr.in Barbara Schramkowski aus ihren Praxisphasen von den Auswirkungen extremer Hitze auf den Arbeitsalltag in sozialen Einrichtungen. So könne Hitze beispielsweise die Wirkung bestimmter Medikamente beeinflussen, während ältere und chronisch erkrankte Menschen besonders gefährdet seien.

Mit Sorge blickt sie deshalb auch auf aktuelle politische Entwicklungen. Während die Folgen der Klimakrise immer deutlicher spürbar würden, würden gleichzeitig Förderprogramme für Klimaanpassung in sozialen Einrichtungen gestrichen und Einsparungen im sozialen Bereich diskutiert. „Das macht mich fassungslos. Gleichzeitig wird deutlich: Das Engagement für Klimaschutz ist wichtiger denn je“, betont Prof.in Dr.in Barbara Schramkowski.