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Campus Abend »Die Gefahr des zunehmenden Antisemitismus in Zeiten von Corona«

Aufklärung gegen Antisemitismus

Am 4. Oktober lud Professorin Dr. Daniela Steenkamp zum Campus Abend ein. Thema des Abends bildeten antisemitische Verschwörungsmythen, die laut Steenkamps Einleitung während der Corona-Krise Hochkonjunktur haben. Professor Dr. Samuel Salzborn referierte als Gast zum Thema des Abends und griff in seinen Ausführungen auf seine Erfahrungen zurück, die er mitunter in seiner Funktion als Antisemitismusbeauftragter des Landes Berlin seit 2020 sammelt.  

Im Kern ging es zunächst um die Entstehung von Verschwörungstheorien. Diese entwickeln sich als abstrakte Vorstellung auf der Suche nach Verantwortlichen für ein Problem. Eine Konkretisierung und Projizierung auf Personen oder Gruppen kann zur Radikalisierung und im nächsten Schritt zu physischen Taten – etwa der Verfolgung benannter Gruppen oder Personen – führen. Salzborn appellierte an die Teilnehmenden, dass Quellen, auf die man sich bezieht und die das eigene Weltbild prägen, stetig geprüft werden sollen und dass die Fähigkeit einer reflektierten Quellenkritik ein wichtiges Element der Hochschullehre darstellen.

„Studierende stehen oft in keiner Verbindung zur jüdischen Religion und zum jüdischem Alltagsleben. Auch haben sie wenig bis keine persönlichen Berührungspunkte oder Beziehungen dazu. Das kann zu diffusen Gefühlen von Unsicherheit sowie eher abwehrenden Haltungen oder zur Meidung der Thematik führen“, erläuterte Steenkamp. Durch die kürzlich von der Kultusministerkonferenz veröffentlichte Empfehlung zum Umgang mit Antisemitismus in der Schule, erhoffe sie sich, dass die Schulen sich intensiv mit einer zeitgerechten Bildung gegen Antisemitismus auseinandersetzen.

Diskussionsbestandteil war auch das Handeln gegen Antisemitismus im Hochschulalltag. Aufgabe der Hochschulen sei es für alle Personen Raum und Schutz zu bieten, so Professorin Dr. Blank, die ebenfalls an der Veranstaltung teilnahm und als zentrale Gleichstellungsbeauftragte der DHBW tätig ist. „Ich sehe vor allem in der Verankerung der Aufklärung über jüdisches Leben und dessen humanistisch-universalistische Sichtweise im Lehrkanon in einzelnen Modulen der Hochschulen und in der allgemeinen Schulbildung eine Chance, die Weichen gegen Antisemitismus zu stellen“, schlug Blank vor. Salzborn führt als weiteres Beispiel das Berliner Hochschulgesetz an, das im September 2021 als »Gesetz zur Stärkung der Berliner Wissenschaft« verabschiedet wurde. Hierin werden Berliner Hochschulen dazu verpflichtet, Diskriminierung jeglicher Art zu beseitigen. Ein besonderer Erfolg, so Salzborn, sei die explizite Aufzählung „antisemitische Zuschreibung“ (§ 5b Absatz 2 Satz 1 »Gesetz zur Stärkung der Berliner Wissenschaft«).

Der Campus Abend verdeutlicht, wie wichtig Aufklärung, Wissensvermittlung und das kritische Hinterfragen von Quellen ist und welchen elementaren Einfluss das wiederum auf Antisemitismus-Prävention besitzt.   

Wir freuen uns schon auf den nächsten Campus Abend!

Organisiert wurde der Campus Abend von Professorin Dr. Daniela Steenkamp der Fakultät Sozialwesen. Professor Dr. Samuel Salzborn referierte als Gast zum Thema Antisemitismus.