Hochschulkommunikation

News

Gesundheit neu denken: Gemeinsam für eine inklusive und nachhaltige Zukunft

Was hat die Gesundheit unserer Erde mit der Arbeit in Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe zu tun? Und wie können wir angesichts der Klimakrise Gesundheit, soziale Gerechtigkeit und Solidarität stärken? Mit diesen Fragen beschäftigte sich Prof.in Dr.in Barbara Schramkowski beim Bundeskongress der Deutschen Vereinigung für Soziale Arbeit im Gesundheitswesen e. V. (DVSG), der im Oktober in Düsseldorf stattfand.

Unter dem Motto „Mut zur Haltung: Zukunft schon heute gesund und sozial gestalten“ kamen Fachkräfte aus Praxis, Lehre, Forschung und Selbsthilfe zusammen. Anlässlich des 100-jährigen Bestehens der DVSG richtete der Kongress den Blick auf zentrale Herausforderungen der gesundheitsbezogenen Sozialen Arbeit: Fachkräftemangel, Versorgungslücken, Klimaveränderungen, eine alternde Gesellschaft und Einsamkeit. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie sich soziale Gerechtigkeit, Solidarität und Gesundheit für alle Menschen in einer sich rasant wandelnden Welt sichern lassen.

Was ist das Konzept der planetaren Gesundheit?

Prof.in Dr.in Barbara Schramkowski wirkte mit einem Vortrag im Forum „Planetare Gesundheit“ mit. Das Konzept der planetaren Gesundheit betont die enge Verbindung zwischen der Gesundheit der Menschen und der Gesundheit der Erde. Es zeigt auf, wie sich planetare Krisen auf die menschliche Gesundheit auswirken, und eröffnet Lösungsansätze, die Gesundheitsförderung und den Schutz der Erde miteinander verbinden.

In ihrem Vortrag stellte Prof.in Dr.in Barbara Schramkowski die Bedeutung des Konzepts für Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe vor. Viele der Einrichtungen, in denen sie qualitative Interviews geführt hatte, hatten die Planetary Health Diet eingeführt – eine überwiegend pflanzenbasierte Ernährungsweise. Diese wurde durchgängig als Gewinn beschrieben, da sie sowohl der Gesundheit der jungen Menschen als auch der Erde zugutekommt.

Ergänzt wurde diese Perspektive durch Professorin Dr. Katrin Liel (Hochschule Landshut), die die Bedeutung planetarer Gesundheit für die gesundheitsbezogene Soziale Arbeit erläuterte. PD Dr. Dirk Holzinger (Hochschule Bochum; KLUG – Deutsche Allianz Klimawandel und Gesundheit) beleuchtete aus kinderärztlicher Perspektive die Risiken der planetaren Krise für die Gesundheit und Entwicklung von Kindern.

Von Umwelt zu Mitwelt

Im Panel wurde deutlich: Die planetaren Krisen bedrohen die menschliche Gesundheit. Klima- und Umweltschutz sind daher essenziell, um die Gesundheit der Menschen und letztlich die Menschenrechte aller zu schützen. Dafür braucht es einen Perspektivwechsel: Es geht nicht darum, eine von uns getrennte Umwelt zu schützen. Vielmehr sind wir selbst Teil unserer natürlichen Lebensgrundlagen. In der Diskussion mit den Workshopteilnehmenden wurde deshalb angeregt, statt von „Umwelt“ von „Mitwelt“ zu sprechen.

Im Zentrum der Diskussion stand auch die Frage, wie wir mit der Ohnmacht und Angst angesichts der eskalierenden Klimakrise umgehen können, ohne den Blick für positive Entwicklungen zu verlieren. Denn neben der Auseinandersetzung mit den Herausforderungen ist es entscheidend, gute Entwicklungen sichtbar zu machen und Hoffnung aktiv zu stärken. Gerade darin zeigt sich der „Mut zur Haltung“: trotz der Krisen handlungsfähig zu bleiben und sich für eine gesunde, gerechte und solidarische Zukunft einzusetzen.

Wie werden Barrieren im Gesundheitswesen abgebaut?

Prof. Dr. Frank Francesco Birk und Prof.in Dr. Sandra Mirbek von der DHBW Villingen-Schwenningen beschäftigten sich in ihrem Vortrag „Ein Gesundheitswesen für alle – Inklusion und Barrierefreiheit als Leitprinzipien eines zukunftsfähigen Gesundheitswesens“ mit den Voraussetzungen für eine inklusive und chancengerechte Gesundheitsversorgung. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie Barrieren im Gesundheitswesen abgebaut und die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderungen stärker berücksichtigt werden können. Dabei wurde deutlich, dass ein inklusives Gesundheitssystem nicht nur barrierefreie Zugänge zu medizinischen Leistungen erfordert, sondern auch verständliche Informationen, eine bedarfsgerechte Kommunikation und die konsequente Berücksichtigung unterschiedlicher Lebenslagen und Perspektiven.

Im Anschluss tauschten sich Teilnehmende aus Wissenschaft und Praxis sowie Menschen mit eigener Betroffenheit über bestehende Herausforderungen und mögliche Lösungsansätze aus. Die Diskussion verdeutlichte, dass auf dem Weg zu einem inklusiven Gesundheitssystem weiterhin erheblicher Handlungsbedarf besteht. Neben baulichen und kommunikativen Barrieren spielen auch strukturelle Rahmenbedingungen und die Sensibilisierung von Fachkräften eine wichtige Rolle. Der Austausch machte deutlich, wie wichtig es ist, die Erfahrungen und Perspektiven der Betroffenen einzubeziehen und Inklusion und Barrierefreiheit von Beginn an als grundlegende Prinzipien der Gesundheitsversorgung mitzudenken.

PD Dr. Dirk Holzinger (von links), Prof.in Dr.in Barbara Schramkowski und Prof.in Dr.in Katrin Liel beim DVSG-Bundeskongress. Foto: DHBW VS