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Jan Kizilhan erhält Demokratiepreis


Professor Jan Kizilhan zusammen mit Deidre Berger im Hotel Regent in Berlin, wo die Verleihung des Demokratiepreises stattgefunden hat.

Der Psychotherapeut Jan Ilhan Kizilhan ist am 25. April mit dem Demokratiepreis „Ramer Award for Courage in the Defense of Democracy“ des American Jewish Committee (AJC) ausgezeichnet worden. Ebenfalls geehrt wurde die Journalistin Düzen Tekkal. Die Auszeichnung erhielten beide für ihren herausragenden Einsatz zugunsten der Opfer des Genozids an den Jesiden.

Mit seiner Arbeit leiste er nach Aussage von Deidre Berger, Direktorin des AJC Berlin Ramer Instituts, einen kaum zu überschätzenden Beitrag, durch den die an den Jesiden begangenen Verbrechen nicht nur dokumentiert, sondern ebenso einer breiten Öffentlichkeit bekannt werden. Die vielen namenlosen Opfer des „Islamischen Staates“ erhielten somit eine vernehmbare Stimme.

Prof. Dr. Dr. Jan Ilhan Kizilhan ist ein weltweit führender Experte auf dem Gebiet der Traumatologie sowie der transkulturellen Psychiatrie und lehrt an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg Villingen-Schwenningen. Der promovierte Psychologe und Orientalist leitet ein Sonderprogramm, in dessen Rahmen 1000 jesidische Opfer, insbesondere Mädchen und Frauen, zur Behandlung nach Baden-Württemberg geholt wurden. Weitere 67 Personen wurden nach Niedersachen gebracht; auch das Bundesland Schleswig-Holstein hat 32 Betroffene aufgenommen.

Ferner ist er Gründungsdekan des „Institute for Psychotherapy and Psychotraumatalogy“ an der Universität Dohuk im Nordirak. Dort bildet er Traumatologen aus, die in Zukunft die Opfer des Genozides vor Ort betreuen werden. Im vergangenen Jahr hat er überdies sein viel beachtetes Buch „Die Psychologie des IS. Die Logik der Massenmörder“ veröffentlicht, das er auf Grundlage seiner zahllosen Interviews mit den Opfern, aber auch den Tätern, verfasst hat.

In seiner Dankesrede führte Jan Ilhan Kizilhan aus: „Ich bin sehr dankbar, dass mir der Ramer Award verliehen worden ist, und ich nehme ihn im Namen der unzähligen jesidischen Opfer und anderer Minderheiten entgegen, die so sehr unter dem Terror des Islamischen Staates leiden. Obwohl wir bereits vielen Opfern helfen konnten, möchte ich daran erinnern, dass sich immer noch 3200 Jesiden in den Fängen des IS befinden. Wir müssen auch diese Menschen endlich befreien. Neben der psychologischen Hilfe benötigen die Jesiden aber auch eine politische Lösung und Perspektive, damit sie in den nächsten Generationen friedlich im Irak leben können. Die Hoffnung darauf werde ich nicht aufgeben.“

Das AJC engagiert sich bereits seit 2014, nachdem die Terrorgruppe „Islamischer Staat“ (IS) in das historische Siedlungsgebiet der Jesiden eingefallen war, für diese Minderheit. Neben humanitärer Hilfe organisiert das Komitee in den USA aber auch in Deutschland Veranstaltungen mit Betroffenen und deren Unterstützern. Der „Ramer Award for Courage in the Defense of Democracy“ wurde 2013 zum ersten Mal verliehen. Er ist benannt nach Lawrence & Lee Ramer, den Gründern des 1998 in Berlin eröffneten AJC Berlin Ramer Institut.  

Das AJC ist im Jahr 1906 gegründet worden und setzt sich seit Jahrzehnten für die Beziehungen zwischen Israel und Europa sowie für die transatlantische Partnerschaft ein. Als erste amerikanisch-jüdische Organisation eröffnete das AJC 1998 ein Büro in der deutschen Hauptstadt. Mittlerweile unterhält es neben den 22 Büros in den Vereinigten Staaten auch Dependancen in Jerusalem, Brüssel, Paris, Warschau und Rom und ist darüber hinaus in Asien, Afrika und Lateinamerika engagiert.